„Wer arbeitet, ist selber schuld“ ist ein Stammtischsatz, und als solcher ist er widerlegbar. Interessant wird die Frage erst, wenn man sie auf das reduziert, was sich beziffern lässt: Wie viel bleibt einem Durchschnittsverdiener vom Brutto, wie früh greift der höchste reguläre Steuersatz — und wie hat sich beides über die Jahrzehnte verschoben? Dieser Beitrag rechnet das gegen die OECD-Statistik, den Einkommensteuertarif und die Anlage 1 zum SGB VI nach. Er benennt auch die drei Stellen, an denen die verbreitete Zuspitzung der eigenen Quelle widerspricht.
Was vom Brutto bleibt
Die belastbarste Zahl zu dieser Frage stammt nicht aus dem politischen Streit, sondern aus einer jährlichen OECD-Erhebung, die 38 Staaten nach identischer Methodik vergleicht. Taxing Wages 2026 weist für das Datenjahr 2025 zwei Kennzahlen aus, die regelmäßig durcheinandergeraten — und der Unterschied entscheidet darüber, ob eine Aussage hält.
Der Abgabenkeil setzt Lohnsteuer sowie Arbeitnehmer- und Arbeitgeberbeiträge ins Verhältnis zu den gesamten Arbeitskosten. Die Nettolast (net personal average tax rate) misst nur, was der Beschäftigte selbst abgibt. Wer die erste Zahl nennt und die zweite meint, wird zu Recht korrigiert.
| Deutschland | OECD-Schnitt | Rang von 38 | |
|---|---|---|---|
| Abgabenkeil, alleinstehend ohne Kinder Belgien liegt mit 52,5 % davor; 2024 waren es 47,9 % — plus 1,34 Prozentpunkte in einem Jahr | 49,3 % | 35,1 % | 2 |
| Nettolast Arbeitnehmer, alleinstehend die Zahl ohne Arbeitgeberbeiträge — sie trägt die Aussage über das eigene Portemonnaie | 38,7 % | 25,1 % | 3 |
| Netto vom Brutto, alleinstehend Kehrwert der Zeile darüber | 61,3 % | 74,9 % | — |
| Abgabenkeil, Alleinverdiener mit 2 Kindern Kinder senken die Last in Deutschland um 14,4 Punkte, im OECD-Schnitt um 8,9 | 34,9 % | 26,2 % | 9 |
| Nettolast, Alleinverdiener mit 2 Kindern Netto bleiben 78,7 % gegenüber 85,3 % im OECD-Schnitt | 21,3 % | 14,7 % | 9 |
Zwei Beobachtungen dazu, die man selten zusammen liest.
Der Abstand ist groß, aber die Spitzenposition gehört Belgien. Deutschland liegt beim Abgabenkeil auf Rang 2, nicht auf Rang 1 — die Formulierung „nur Belgien schneidet schlechter ab“ ist für diesen Haushaltstyp korrekt und sollte auch so stehen bleiben. Bei der reinen Arbeitnehmerlast rückt Deutschland dagegen auf Rang 3 vor, und dort ist der Abstand zum Durchschnitt am aussagekräftigsten: 13,6 Prozentpunkte.
Die Struktur ist ungewöhnlich. In Deutschland machen Einkommensteuer und Arbeitgeberbeiträge zusammen 64 Prozent des Keils aus, im OECD-Schnitt 77 Prozent. Der Rest — also der überdurchschnittlich große Teil — entfällt auf die Arbeitnehmerbeiträge zur Sozialversicherung. Die deutsche Besonderheit ist nicht primär die Einkommensteuer, sondern das, was daneben direkt vom Lohn abgeht.
Die Schwelle, die nach unten gewandert ist
Der zweite Teil der Frage betrifft nicht das Niveau, sondern den Punkt, an dem der höchste reguläre Grenzsteuersatz greift. Hier lohnt die Nachrechnung, weil die kursierenden Zahlen unsauber sind.
Der Spitzensteuersatz von 42 Prozent setzt 2026 ab einem zu versteuernden Einkommen von 69.879 Euro ein (§ 32a Absatz 1 EStG). Das vorläufige Durchschnittsentgelt nach Anlage 1 SGB VI beträgt für 2026 51.944 Euro. 1990 lag die Schwelle bei 120.042 DM, das Durchschnittsentgelt in den alten Bundesländern bei 41.946 DM.
| Eckwert | Durchschnittsentgelt | Vielfaches | |
|---|---|---|---|
| 1990 Einkommensteuertarif 1990, gültig 1990–1995; alte Bundesländer | 120.042 DM | 41.946 DM | 2,86× |
| 2000 Stützjahr der Reihe | — | — | 2,11× |
| 2010 Stützjahr der Reihe | — | — | 1,70× |
| 2020 Stützjahr der Reihe | — | — | 1,46× |
| 2026 Durchschnittsentgelt 2026 vorläufig nach § 69 Abs. 2 SGB VI — eine Revision nach unten würde den Quotienten erhöhen | 69.879 € | 51.944 € | 1,35× |
Der sauberste Beleg: ein eingefrorener Eckwert
Die Schwelle zum Satz von 45 Prozent trägt das Argument besser, weil sie keine Definitionsfrage kennt. Der Eckwert liegt seit dem Veranlagungszeitraum 2022 unverändert bei 277.826 Euro. Er wurde vom Inflationsausgleichsgesetz von 2022 und vom Steuerfortentwicklungsgesetz von 2024 ausdrücklich von der Verschiebung ausgenommen, während die übrigen Tarifeckwerte angepasst wurden.
Was ein nominal eingefrorener Eckwert bewirkt
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Einführung 2007
Der Satz von 45 % greift ab 250.001 Euro zu versteuerndem Einkommen. Das Durchschnittsentgelt liegt bei 29.951 Euro — die Schwelle beim 8,35-Fachen.
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Seit 2022 unverändert
Der Eckwert steht bei 277.826 Euro und wird von beiden Anpassungsgesetzen ausgenommen. Die Bezugsgröße steigt weiter.
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Stand 2026
277.826 Euro zu 51.944 Euro Durchschnittsentgelt ergeben das 5,35-Fache. Ohne eine einzige Tarifänderung ist die Schwelle relativ um gut ein Drittel gesunken.
Dasselbe Muster wirkt abgeschwächt beim 42-Prozent-Eckwert. Von 2019 bis 2026 stieg er um 24,9 Prozent (55.961 auf 69.879 Euro), das Durchschnittsentgelt im selben Zeitraum um 32,2 Prozent (39.301 auf 51.944 Euro). Die Relation fiel weiter von 1,42 auf 1,35. Fachlich ist das die Unterscheidung zwischen kalter Progression im engeren Sinne — dem Inflationseffekt, der ausgeglichen wurde — und der Reallohnkomponente, die es nicht wird.
Der Fall Pendlerpauschale
Die Entfernungspauschale eignet sich als Prüfstein, weil an ihr sichtbar wird, wie schnell eine Debattenäußerung zur behaupteten Rechtslage wird.
Der Sachstand läuft in die entgegengesetzte Richtung der Schlagzeilen: Zum 1. Januar 2026 wurde die Pauschale mit dem Steueränderungsgesetz 2025 auf einheitlich 38 Cent ab dem ersten Kilometer angehoben; zuvor galten 30 Cent für die ersten 20 Kilometer und 38 Cent darüber. Die Bundesregierung beziffert die Mindereinnahmen in voller Jahreswirkung mit 1,1 Milliarden Euro für 2026, bis 2030 auf knapp zwei Milliarden Euro jährlich ansteigend.
Vier Monate später, im Mai 2026, sprach sich der Präsident der Bundessteuerberaterkammer in einem Zeitungsinterview für die Streichung aus. Drei Präzisierungen gehören dazu:
- Es ist keine Position der Kammer. Die Bundessteuerberaterkammer führt den Vorgang selbst als Interview ihres Präsidenten; in den Pressemitteilungen und fachlichen Stellungnahmen des Jahres 2026 kommt die Forderung nicht vor.
- Die Forderung ist gekoppelt. Als Gegenleistung nennt sie ausdrücklich niedrigere Steuersätze für alle statt Vergünstigungen für einzelne. Wer nur den ersten Teil zitiert, verkürzt sinnverfälschend — beziffert ist die Gegenleistung allerdings nicht.
- Es gibt keinen Gesetzentwurf. Der Referentenentwurf des Jahressteuergesetzes 2026 vom Mai 2026 enthält keine Kürzung der Entfernungspauschale und keine Kürzung des Arbeitnehmer-Pauschbetrags.
Bemerkenswert ist etwas anderes an dieser Debatte, und es spricht gegen eine verbreitete Zuspitzung: Die Entfernungspauschale ist kein Instrument der Spitzenverdiener. Nach der Lohn- und Einkommensteuerstatistik machten sie im Veranlagungsjahr 2020 rund 13,8 Millionen Arbeitnehmer geltend, bei einem durchschnittlichen einfachen Arbeitsweg von 28 Kilometern. 54 Prozent von ihnen hatten einen Bruttojahresarbeitslohn zwischen 20.000 und 50.000 Euro, weitere 30 Prozent zwischen 50.000 und 100.000 Euro; nur 5 Prozent lagen bei 100.000 Euro oder darüber.
Eine Streichung ohne bezifferte Tarifgegenleistung träfe daher zuerst die Mitte — und dort besonders diejenigen mit den längsten Wegen: In Landgemeinden beträgt der durchschnittliche Pendelweg 31 Kilometer, in Großstädten rund 24.
Was auf der anderen Seite steht
Die Zahlen oben beschreiben ein Verhältnis: Leistung zu dem, was davon bleibt. Wer den Standort wechselt, ändert nicht die Leistung, sondern dieses Verhältnis — und zwar in einer anderen Größenordnung, als eine Steueroptimierung im Bestand sie erreicht.
Ein als Individual Entrepreneur registrierter Selbständiger mit Small Business Status zahlt in Georgien 1 Prozent auf den Umsatz bis 500.000 Lari im Jahr; oberhalb der Grenze gelten ab dem Überschreitungsmonat 3 Prozent auf den weiteren Umsatz. Der reguläre Einkommensteuersatz liegt bei 20 Prozent — ohne Progression, ohne Solidaritätszuschlag, ohne Eckwerte, die nach unten wandern können. Artikel 82 des georgischen Steuerkodex stellt Einkünfte ohne georgische Quelle bei ansässigen Privatpersonen frei. Die Beiträge zum kumulativen Pensionssystem sind für Selbständige freiwillig.
Und die ehrliche Kehrseite, die zur selben Rechnung gehört: Was in Deutschland vom Lohn abgeht, kauft Ansprüche — Rentenanwartschaft, Krankenversicherung, Arbeitslosenversicherung, Pflegeabsicherung. In Georgien entsteht in dieser Zeit keine dieser Anwartschaften. Krankenversicherung wird privat eingekauft, eine Pflegeabsicherung nach deutschem Muster existiert nicht, und wer erst im höheren Alter kommt, findet unter Umständen keine Police mehr. Wer die Differenz nur als Ersparnis liest und nicht als Verlagerung von Risiko auf die eigene Bilanz, rechnet zu kurz.
Was daraus folgt
Die Aussage „Deutschland bestraft Leistung“ ist in absoluter Form nicht haltbar, und sie wird auch nicht dadurch haltbar, dass man sie lauter vorträgt. Belastbar sind drei engere Sätze:
- Das Belastungsniveau ist im OECD-Vergleich sehr hoch: Rang 2 beim Abgabenkeil, Rang 3 bei der reinen Arbeitnehmerlast, 61,3 Prozent vom Brutto gegenüber 74,9 Prozent im Schnitt.
- Real — nicht nominal — greifen die progressiven Schwellen näher am Durchschnitt als früher: beim Spitzensteuersatz fiel das Verhältnis zum Durchschnittsentgelt vom 2,86- auf das 1,35-Fache, bei allerdings von 53 auf 42 Prozent gesenktem Satz und nominal angehobenem Eckwert.
- Der Eckwert der Reichensteuer ist seit 2022 nominal eingefroren und von beiden Inflationsanpassungen ausgenommen: vom 8,35-Fachen auf das 5,35-Fache. Das ist die Drift ohne Definitionsvorbehalt.
- Nicht belastbar: dass die Abgabenlast durchgehend steigt (sie liegt unter dem Wert von 2000), und dass die Pendlerpauschale gekürzt wird (sie wurde zum 1. Januar 2026 angehoben).
Wer daraus einen Standortwechsel ableitet, sollte das mit denselben Maßstäben tun: mit nachgerechneten Zahlen statt mit Schlagzeilen. Wie die Tarifreform 2026 die Spitzenbelastung verändert, steht in Steuerreform 2026: 47 % Reichensteuer; was der Staat für die Abgaben liefert, in Staatsquote 2026: Preis und Leistung und Bürokratiekosten: 146 Milliarden. Die Gesamtbilanz eines Wegzugs führt Deutschland verlassen: die Standortbilanz, die Kosten des Gehens Der Wegzug wird teurer. Die georgische Seite im Detail: 1 % Steuer mit Small Business Status, Auslandseinkünfte steuerfrei und Steuerresidenz in Georgien. Wer lieber selbst rechnet: Steuerrechner Georgien.
Dieser Beitrag misst das Niveau der Belastung. Die Fortsetzung misst ihre Form: Warum die Grenzbelastung nicht mit dem Einkommen steigt, sondern bei rund 100.000 Euro ihr Maximum erreicht, im Transferbereich 100 Prozent übersteigt — und warum Deutschland beim marginalen Abgabenkeil nur auf Rang 15 der OECD liegt, steht in 53,2 % Grenzbelastung.
Häufige Fragen
Wie hoch ist die Abgabenlast in Deutschland wirklich?
Das hängt daran, welche Kennzahl gemeint ist — und der Unterschied ist erheblich. Der Abgabenkeil der OECD misst Lohnsteuer plus Arbeitnehmer- und Arbeitgeberbeiträge im Verhältnis zu den gesamten Arbeitskosten; er lag für Alleinstehende ohne Kinder mit Durchschnittsverdienst 2025 bei 49,3 Prozent, gegenüber einem OECD-Durchschnitt von 35,1 Prozent. Das ist Rang 2 von 38 Staaten; nur Belgien liegt mit 52,5 Prozent darüber. Die zweite Kennzahl ist die reine Arbeitnehmerlast, der net personal average tax rate: Er betrug 38,7 Prozent und ist damit der dritthöchste in der OECD, bei einem Durchschnitt von 25,1 Prozent. Vom Bruttolohn blieben einem deutschen Durchschnittsverdiener 61,3 Prozent, im OECD-Schnitt 74,9 Prozent.
Ab welchem Einkommen greift der Spitzensteuersatz 2026?
Der Spitzensteuersatz von 42 Prozent setzt im Veranlagungszeitraum 2026 ab einem zu versteuernden Einkommen von 69.879 Euro ein (§ 32a Absatz 1 EStG). Das vorläufige Durchschnittsentgelt nach Anlage 1 SGB VI beträgt für 2026 51.944 Euro; das Verhältnis beträgt damit rund 1,35. 1990 setzte der damalige Spitzensteuersatz bei 120.042 DM ein, bei einem Durchschnittsentgelt von 41.946 DM in den alten Bundesländern — Verhältnis 2,86. Zwei Einordnungen sind dabei zwingend. Erstens führte die Schwelle 1990 in einen Satz von 53 Prozent, heute in einen von 42 Prozent. Zweitens ist der Eckwert ein zu versteuerndes Einkommen, das Durchschnittsentgelt dagegen ein Bruttoarbeitsentgelt vor Werbungskosten und Vorsorgeaufwendungen — der Quotient bildet den Trend ab, ist aber keine Aussage darüber, ab welchem Bruttogehalt jemand den Spitzensatz erreicht. Nominal wurde der Eckwert übrigens angehoben: von 52.882 Euro im Tarif 2013 auf 69.879 Euro im Jahr 2026.
Ist die Abgabenlast in Deutschland gestiegen?
Kurzfristig ja, langfristig nein — und beides gehört zusammen. Von 2024 auf 2025 stieg der Abgabenkeil für Alleinstehende mit Durchschnittsverdienst um 1,34 Prozentpunkte von 47,9 auf 49,3 Prozent. Über den langen Zeitraum ist er dagegen gesunken: Zwischen 2000 und 2025 fiel er um 3,6 Prozentpunkte von 52,9 auf 49,3 Prozent, während der OECD-Durchschnitt nur um einen Prozentpunkt zurückging. Wer behauptet, die Belastung sei durchgehend gestiegen, wird von der eigenen Quelle widerlegt. Belastbar ist die andere Aussage: Das Niveau ist hoch, der Abstand zum OECD-Schnitt beträgt 14,2 Prozentpunkte, und die Bewegung des letzten Jahres ging nach oben.
Wird die Pendlerpauschale abgeschafft?
Nach derzeitigem Stand nicht. Das Gegenteil ist geschehen: Zum 1. Januar 2026 wurde die Entfernungspauschale mit dem Steueränderungsgesetz 2025 auf einheitlich 38 Cent ab dem ersten Kilometer angehoben; zuvor galten 30 Cent für die ersten 20 Kilometer. Die Bundesregierung beziffert die Mindereinnahmen in voller Jahreswirkung mit 1,1 Milliarden Euro für 2026, bis 2030 auf knapp zwei Milliarden Euro jährlich ansteigend. Die im Mai 2026 breit berichtete Streichungsforderung stammt aus einem Zeitungsinterview des Präsidenten der Bundessteuerberaterkammer, nicht aus einer Verlautbarung der Kammer, und war ausdrücklich an eine Gegenleistung gekoppelt: niedrigere Steuersätze für alle statt Vergünstigungen für einzelne. Ein Gesetzentwurf zur Kürzung existiert nicht; der Referentenentwurf des Jahressteuergesetzes 2026 enthält keine.
Warum ist die Schwelle zur Reichensteuer der sauberere Beleg?
Weil dort keine Definitionsfrage im Weg steht. Der Eckwert des 45-Prozent-Satzes liegt seit dem Veranlagungszeitraum 2022 unverändert bei 277.826 Euro und wurde sowohl vom Inflationsausgleichsgesetz als auch vom Steuerfortentwicklungsgesetz ausdrücklich von der Verschiebung ausgenommen. Während die übrigen Tarifeckwerte elf Jahre in Folge an die Inflation angepasst wurden, ist dieser eingefroren. Gemessen am Durchschnittsentgelt nach Anlage 1 SGB VI fiel er vom 8,35-Fachen bei Einführung 2007 auf das 5,35-Fache im Jahr 2026. Das ist kein Rechenmodell, sondern eine nominale Konstante gegen eine steigende Bezugsgröße.
Wie hoch ist die Steuerlast in Georgien im Vergleich?
Die Bemessungsgrundlage ist eine andere, deshalb ist der Vergleich nur als Größenordnung zu lesen. Ein als Individual Entrepreneur registrierter Selbständiger mit Small Business Status zahlt 1 Prozent auf den Umsatz bis 500.000 Lari im Jahr; oberhalb der Grenze gelten ab dem Überschreitungsmonat 3 Prozent auf den weiteren Umsatz. Der reguläre Einkommensteuersatz beträgt 20 Prozent, ohne Progression und ohne Solidaritätszuschlag. Artikel 82 des georgischen Steuerkodex stellt Einkünfte ohne georgische Quelle bei ansässigen Privatpersonen frei. Die Beiträge zum kumulativen Pensionssystem — je 2 Prozent von Arbeitnehmer und Arbeitgeber zuzüglich eines Staatsanteils — sind für Selbständige freiwillig. Genau daraus folgt aber auch, dass in dieser Zeit keine Rentenanwartschaft und kein Krankenversicherungsschutz nach deutschem Muster entsteht.
Was ist der stärkste Einwand gegen die These, Leistung werde bestraft?
Dass sie in absoluter Form widerlegbar ist. Deutschland hat hohe Bruttolöhne, eine hohe Arbeitsproduktivität und eine starke Exportindustrie — Leistung wird offensichtlich erbracht. Der Abgabenkeil ist zudem niedriger als im Jahr 2000. Und der historische Vergleich der Spitzensatz-Schwelle hinkt, weil 1990 der Einstieg in 53 Prozent gemessen wurde und heute der Einstieg in 42 Prozent: Hält man den Grenzsteuersatz rechnerisch konstant bei 42 Prozent, ist die Relation zum durchschnittlichen zu versteuernden Einkommen nach Berechnung des IW Köln seit 1975 weitgehend stabil. Belastbar bleibt die schwächere, aber nachprüfbare Aussage: Das Belastungsniveau ist im OECD-Vergleich sehr hoch, die progressiven Schwellen greifen deutlich näher am Durchschnitt als früher, und der Eckwert der Reichensteuer ist seit 2022 eingefroren.
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und stellt keine Rechts- oder Steuerberatung dar. Die Angaben zu Abgabenkeil, Nettolast und Rangfolge folgen der OECD-Publikation „Taxing Wages 2026: The Progressivity of Labour Taxation in OECD Countries“ und dem darin enthaltenen Länderprofil Deutschland; Datenjahr ist 2025, Haushaltstyp jeweils bei 100 Prozent des Durchschnittsverdienstes. Die Tarifangaben folgen § 32a EStG in der für den Veranlagungszeitraum 2026 geltenden Fassung sowie der Datensammlung zur Steuerpolitik 2026 des Bundesministeriums der Finanzen, Tabellen 2.5.1 und 2.5.2; die Reihen zur Grenz- und Durchschnittsbelastung im Zeitverlauf sowie der Eckwert des Tarifs 2013 folgen Tabelle 2.6 derselben Quelle. Der Einkommensteuertarif 1990 gilt für die Veranlagungszeiträume 1990 bis 1995. Die Durchschnittsentgelte stammen aus Anlage 1 zum SGB VI; der Wert für 2026 ist ein vorläufiges Durchschnittsentgelt nach § 69 Absatz 2 SGB VI und kann revidiert werden, der Wert für 1990 bezieht sich auf die alten Bundesländer. Die Relationen zum durchschnittlichen zu versteuernden Einkommen sowie die Gegenrechnung bei konstant gehaltenem Grenzsteuersatz folgen Veröffentlichungen des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln. Die Entfernungspauschale folgt § 9 Absatz 1 Satz 3 Nummer 4 EStG in der Fassung des Steueränderungsgesetzes 2025 vom 22. Dezember 2025, der Arbeitnehmer-Pauschbetrag § 9a EStG; die Angaben zu Fallzahlen, Pendeldistanzen und Einkommensverteilung stammen aus der Lohn- und Einkommensteuerstatistik des Statistischen Bundesamtes für das Veranlagungsjahr 2020, veröffentlicht am 26. März 2025, und erfassen nur Fälle oberhalb des damaligen Arbeitnehmer-Pauschbetrags von 1.000 Euro. Die Angaben zu Mindereinnahmen folgen der Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage, Bundestagsdrucksache 21/1145, dort der Finanztabelle zur vollen Jahreswirkung; die Werte für das Kassenjahr weichen davon ab. Die im Mai 2026 berichtete Forderung zur Streichung der Entfernungspauschale ist eine Interviewäußerung des Präsidenten der Bundessteuerberaterkammer und keine Verlautbarung der Kammer; ein Gesetzgebungsverfahren dazu läuft nicht. Angaben zum Koalitionsbeschluss vom 2. Juli 2026 sind eine politische Einigung, kein geltendes Recht. Die georgischen Angaben folgen dem Steuerkodex Georgiens, dort insbesondere Artikel 82, den Regeln zum Small Business Status einschließlich Dekret #415 sowie dem georgischen Gesetz über die kumulative Rente; Umrechnungen erfolgen zum Indikativkurs der georgischen Nationalbank vom 19. August 2026 von 3,0265 Lari je Euro. Stand: August 2026, Änderungen der Rechtslage vorbehalten.