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Staatsquote 50,3 %: was der Staat kostet — und was er liefert

50,3 % Staatsquote, 101.283 Insolvenzverfahren, teuerster Haushaltsstrom Europas, höchste Gesundheitsausgaben der EU bei sinkender Lebenserwartung — die Bilanz in Zahlen.

Waage, deren Kostenseite deutlich schwerer wiegt als die Seite der Gegenleistung

Jede Standortentscheidung ist am Ende eine Preis-Leistungs-Frage: Was kostet der Staat, und was liefert er dafür? Für Deutschland lässt sich beides mit amtlichen Zahlen beantworten — und 2025 hat das Verhältnis eine symbolische Grenze überschritten. Mehr als jeder zweite erwirtschaftete Euro läuft inzwischen über staatliche Kassen, während die Gegenleistung an jeder sichtbaren Stelle schwächer wird: im Netz, im Krankenhaus, an der Stromrechnung, im Insolvenzregister. Hier sind die Zahlen, mit denen Sie rechnen sollten, bevor Sie über den eigenen Standort entscheiden.

50,3 % Staatsquote 2025 erstmals seit den Corona-Jahren 2020/21 wieder über 50 %
5.414 € Gesundheitsausgaben je Kopf höchster Wert der EU — rund 50 % über dem EU-Durchschnitt
81,2 Jahre Lebenserwartung erstmals unter dem EU-Durchschnitt

Was der Staat kostet

Die Staatsquote — die Gesamtausgaben des Staates im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung — lag 2025 bei 50,3 Prozent. Damit überschritt sie erstmals seit den Corona-Jahren 2020 und 2021 wieder die 50-Prozent-Marke. Mehr als jeder zweite in Deutschland erwirtschaftete Euro läuft also über staatliche Kassen.

Auf der Seite der Arbeitseinkommen entspricht dem ein Abgabenkeil von 49,3 Prozent für alleinstehende Durchschnittsverdienende — Rang 2 unter 38 OECD-Staaten und rund 14 Prozentpunkte über dem OECD-Mittel von 35,1 Prozent. Innerhalb eines einzigen Jahres stieg dieser Wert um 1,34 Prozentpunkte. Was 2027 und 2028 hinzukommt — neue Spitzenstufe von 47 Prozent, abgesenkte Reichensteuerschwelle, Beitragszuschlag in der Krankenversicherung — steht in Steuerreform 2026.

Was er dafür liefert

Kennzahl Wert Einordnung
Gesundheitsausgaben je Kopf 5.414 € höchster Wert der EU, rund 50 % über dem Durchschnitt
Anteil am BIP (Gesundheit) 11,8 % höchster Anteil in der EU
Lebenserwartung 81,2 Jahre erstmals unter dem EU-Durchschnitt, 2,6 bis 3 Jahre hinter Spanien, Italien und der Schweiz
Haushaltsstrom 38 ct/kWh teuerster Strom Europas (EU-27-Schnitt: 29 ct)
Unternehmensinsolvenzen 2025 24.064 höchster Stand seit 2014, +10,3 % zum Vorjahr
Insolvenzverfahren insgesamt 2025 101.283 Unternehmen und Verbraucher zusammen — rund 277 pro Tag
Bildungsausgaben 4,4 % des BIP unter dem OECD-Schnitt von 4,7 %

Gesundheit: das teuerste System mit unterdurchschnittlichem Ergebnis

Das ist die aussagekräftigste Zahl der ganzen Aufstellung. Deutschland gibt je Einwohner 5.414 Euro für Gesundheit aus — der höchste Wert der EU, rund 50 Prozent über dem EU-Durchschnitt — und liegt mit 11,8 Prozent des BIP auch anteilig an der Spitze. Das Ergebnis: eine Lebenserwartung von 81,2 Jahren, die erstmals unter den EU-Durchschnitt gefallen ist, mit einem Rückstand von 2,6 bis 3 Jahren auf Spanien, Italien und die Schweiz.

Europas teuerstes Gesundheitssystem liefert also ein unterdurchschnittliches Ergebnis. Dazu passt die Lage der Leistungserbringer: rund 80 Prozent der Krankenhäuser schreiben rote Zahlen, zwischen 2020 und 2024 meldeten 88 Kliniken Insolvenz an, und die gesetzliche Krankenversicherung steht bei einem Defizit von rund 19 Milliarden Euro — beantwortet mit einem Sparpaket und einem Beitragszuschlag ab 2028.

Energie: der teuerste Haushaltsstrom Europas

Mit 38 Cent je Kilowattstunde war Deutschland 2025 das teuerste Stromland Europas — gegenüber 28,06 Cent im Vorjahr ein Sprung von über 35 Prozent binnen eines Jahres, bei einem EU-27-Durchschnitt von 29 Cent. Belgien (36 ct) und Dänemark (35 ct) folgen; am anderen Ende steht Ungarn mit 10 Cent.

Eine Präzisierung, die in die Bilanz gehört: Bei Industriestrom ist Deutschland teuer, aber nicht Spitzenreiter. Im zweiten Halbjahr 2025 zahlten deutsche Industriekunden im Verbrauchsband 500–1.999 MWh rund 18,28 ct/kWh, während Irland mit 24,78 ct/kWh EU-weit an der Spitze lag.

Insolvenzen: 277 Verfahren pro Tag

Die Insolvenzstatistik zeigt das Ausmaß in zwei Schnitten.

Unternehmensinsolvenzen. 2025 meldeten die Amtsgerichte 24.064 beantragte Unternehmensinsolvenzen10,3 Prozent mehr als im Vorjahr und der höchste Stand seit 2014. Davor war die Zahl bereits zwei Jahre in Folge um über 20 Prozent gestiegen (2023: +22,1 %, 2024: +22,4 %). Die Gläubigerforderungen aus den 2025 gemeldeten Fällen summieren sich auf rund 47,9 Milliarden Euro. Der Trend hält an: Januar 2026 1.919 Anträge (+4,9 %), April 2026 2.276 (+7,1 %).

Alle Insolvenzverfahren. Rechnet man die Verbraucherinsolvenzen hinzu — 2025 waren es 77.219, ein Plus von 8,4 Prozent —, ergeben sich für 2025 101.283 neue Insolvenzverfahren, im Schnitt rund 277 pro Tag. Die breiteste Destatis-Reihe, die zusätzlich ehemals Selbstständige und Nachlassinsolvenzen erfasst, liegt monatlich noch höher: Zwischen Frühjahr 2025 und Frühjahr 2026 bewegte sie sich in einer Spanne von rund 10.400 bis 12.600 Verfahren je Monat, mit Spitzen im Juli 2025 (12.597) und März 2026 (12.531).

Über 100.000 Insolvenzverfahren in einem einzigen Jahr, 277 an jedem Tag: Das ist keine Konjunkturdelle, das ist ein Dauerzustand.

Was auf der anderen Seite steht

Die Zahlen oben beschreiben, was bleibt, wenn man bleibt. Die andere Seite der Rechnung wird selten aufgemacht — dabei ist sie der eigentliche Grund, warum Menschen gehen.

Zeit. Im dritten Quartal 2025 gingen in Deutschland rund 4,72 Millionen Beschäftigte einer Nebentätigkeit nach — 11,2 Prozent aller Beschäftigten, eine Zahl, die sich in zwanzig Jahren nahezu verdreifacht hat. Der Zweitjob ist für Millionen keine Selbstverwirklichung, sondern Haushaltsrechnung. Wer den Standort wechselt, kauft als Erstes Zeit zurück.

Geld, das übrig bleibt. Die Lebenshaltungskosten in Georgien liegen je nach Erhebung rund 46 bis 55 Prozent unter dem deutschen Niveau. Die Mieten in Tiflis sind 56,6 Prozent niedriger als in Berlin, die Verbraucherpreise ohne Miete 46,6 Prozent, Restaurantbesuche 41,6 Prozent; eine moderne Wohnung liegt bei 200 bis 350 Euro im Monat. Zusammen mit 1 Prozent Steuer auf den Umsatz im Small Business Status ergibt das keine Verbesserung am Monatsende, sondern eine andere Größenordnung: Rücklagen werden wieder möglich, und mit ihnen Urlaub, Vorsorge und Investitionen.

Und die Richtung. Wer bleibt, kalkuliert die Gegenbewegung mit ein: Ab 2027 steigt die Minijob-Pauschsteuer von 2 auf 5 Prozent, 2027/28 folgen die auf 250.000 Euro abgesenkte Reichensteuerschwelle und die neue Stufe von 47 Prozent, ab 2028 der Beitragszuschlag von 2,5 Prozentpunkten für mitversicherte Ehepartner bei einer auf 85.000 Euro angehobenen Beitragsbemessungsgrenze. Zeitgleich spart die gesetzliche Krankenversicherung 16,3 Milliarden Euro bis 2027 und kumuliert 42 Milliarden bis 2030 ein. Mehr Abgaben bei weniger Leistung ist keine Prognose, sondern die beschlossene Richtung.

Was daraus folgt

Die Bilanz ist keine Momentaufnahme, sondern ein Trend über mehrere Jahre: Staatsquote über 50 Prozent, Abgabenkeil auf Rang 2 der OECD und weiter steigend, drei Jahre steigender Insolvenzen in Folge, der teuerste Haushaltsstrom Europas, das teuerste Gesundheitssystem der EU mit unterdurchschnittlichem Ergebnis. Dass daraus Konsequenzen gezogen werden, ist messbar: 14 Prozent der erwachsenen Deutschen — rund 8,2 Millionen — planen laut INSA, das Land binnen fünf Jahren zu verlassen; bei den 30- bis 39-Jährigen sind es 27 Prozent.

Für ortsunabhängige Geschäftsmodelle ist die Alternative konkret und seit Jahren erprobt. Wie sie aussieht, welche Bausteine sie hat und wo ihre Grenzen liegen, steht in Deutschland zerfällt leise und — für die entscheidende Frage, warum eine Gesellschaft ohne Wegzug nichts bewirkt — in Georgische Firma, deutsche Behörden. Wer den Zeitpunkt plant, sollte zuvor Auswanderung: 8,2 Mio. Deutsche lesen: Die Wegzugsbesteuerung nach § 6 AStG bemisst sich am Unternehmenswert im Wegzugszeitpunkt und wird mit jedem Wachstumsjahr teurer.

Wer Vermögen hält, sollte zusätzlich Vermögensabgabe: 2,8 Billionen Euro kennen — die Vermögensteuer wurde nie abgeschafft, sondern nur ausgesetzt. Für österreichische Leser gilt eine eigene Rechtslage mit einer teuren Besonderheit beim Wegzug in Drittstaaten: Auswandern aus Österreich.

Häufige Fragen

FAQ

Wie hoch ist die Staatsquote in Deutschland?

Nach Angaben des Statistischen Bundesamts lag sie 2025 bei 50,3 Prozent der Wirtschaftsleistung und überschritt damit erstmals seit den Corona-Jahren 2020 und 2021 wieder die 50-Prozent-Marke. Mehr als jeder zweite in Deutschland erwirtschaftete Euro läuft damit über staatliche Kassen.

Wie viele Insolvenzen gibt es in Deutschland?

Unternehmens- und Verbraucherinsolvenzen zusammen ergaben 2025 rund 101.283 Verfahren — im Schnitt 277 pro Tag. Auf die Unternehmen entfallen davon 24.064 Fälle, der höchste Stand seit 2014 und das dritte Anstiegsjahr in Folge, mit Gläubigerforderungen von rund 47,9 Milliarden Euro. Die breiteste Reihe des Statistischen Bundesamts, die zusätzlich ehemals Selbstständige und Nachlassinsolvenzen erfasst, liegt bei 10.400 bis 12.600 Verfahren pro Monat.

Sind die Energiepreise in Deutschland die höchsten Europas?

Beim Haushaltsstrom ja: 38 Cent je Kilowattstunde im Jahr 2025 gegenüber einem EU-27-Durchschnitt von 29 Cent — nach 28,06 Cent im Vorjahr, also ein Sprung von über 35 Prozent binnen eines Jahres. Beim Industriestrom liegt Deutschland mit 18,28 ct/kWh im Band 500 bis 1.999 MWh ebenfalls im oberen Feld.

Warum sinkt die Lebenserwartung trotz höchster Gesundheitsausgaben?

Deutschland gibt je Einwohner 5.414 Euro für Gesundheit aus — der höchste Wert der EU und rund 50 Prozent über dem Durchschnitt — und liegt mit 11,8 Prozent des BIP auch anteilig an der Spitze. Die Lebenserwartung von 81,2 Jahren ist dennoch erstmals unter den EU-Durchschnitt gefallen, mit 2,6 bis 3 Jahren Rückstand auf Spanien, Italien und die Schweiz. Teuerstes System, unterdurchschnittliches Ergebnis — dazu rund 80 Prozent defizitäre Krankenhäuser und ein GKV-Defizit von etwa 19 Milliarden Euro.

Lohnt es sich noch, ein Unternehmen in Deutschland zu führen?

Für ortsgebundene Betriebe bleibt die Frage komplex. Für ortsunabhängige Geschäftsmodelle — Software, Beratung, Agenturen, E-Commerce, digitale Produkte — spricht die Rechnung zunehmend dagegen: Abgabenkeil auf Rang 2 der OECD, ab 2027/28 eine neue Spitzenstufe von 47 Prozent, bei Einzelunternehmern über 50 Prozent Grenzbelastung, dazu Bürokratiekosten von 146 Milliarden Euro jährlich. Eine georgische Struktur mit 1 Prozent auf den Umsatz beziehungsweise dem Estland-Modell ist die naheliegende Alternative.

Muss ich in Deutschland Steuern zahlen, wenn ich dort nicht mehr lebe?

Nach einem sauberen Wegzug grundsätzlich nicht mehr unbeschränkt — aber es gibt Nachlaufregeln, die viele überraschen. Die Wegzugsbesteuerung nach § 6 AStG besteuert Beteiligungen ab 1 Prozent so, als hätten Sie im Wegzugszeitpunkt verkauft, und seit 2025 fallen auch ETF- und Fondsanteile darunter. Nach § 2 AStG kann für deutsche Staatsangehörige bis zu zehn Jahre nach dem Wegzugsjahr eine erweiterte beschränkte Steuerpflicht bestehen, wenn wesentliche wirtschaftliche Interessen im Inland fortbestehen. Wer diese Interessen tatsächlich abbaut, erfüllt die Voraussetzungen nicht — genau deshalb gehört die Planung vor den Umzug.

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und stellt keine Rechts- oder Steuerberatung dar. Die Kennzahlen stammen vom Statistischen Bundesamt (Staatsquote, Unternehmensinsolvenzen), der OECD (Abgabenkeil, Bildung auf einen Blick 2025, Health at a Glance), Eurostat und dem EU-Länderprofil Gesundheit sowie aus der Insolvenzstatistik der Amtsgerichte. Stand: August 2026, Änderungen der Datenlage vorbehalten.