Für österreichische Unternehmer gilt vieles, was wir für Deutschland aufbereitet haben — nur mit eigenen Zahlen, einem eigenen Steuerrecht und einer entscheidenden Besonderheit beim Wegzug, die deutsche Ratgeber nicht abdecken. Wer aus Österreich nach Georgien geht, trifft auf eine Regel, die den Zeitpunkt der Entscheidung teurer macht als in Deutschland. Dieser Beitrag liefert die Bilanz und die Planungsreihenfolge.
Die Ausgangslage
Österreich gehört seit Jahren zur europäischen Spitzengruppe bei der Abgabenbelastung. Die Abgabenquote lag 2025 bei 44,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts; im europäischen Vergleich 2024 lagen nur Frankreich (45,3 %) und Belgien (44,8 %) darüber. Im OECD-Ranking weist Österreich den fünfthöchsten Wert bei der Steuer- und Abgabenquote auf, der Steuerkeil für alleinstehende Durchschnittsverdienende betrug 47 Prozent.
Bei den Unternehmen zeigt sich das gleiche Muster wie nördlich der Grenze: 2025 mussten laut KSV1870 6.810 Unternehmen Insolvenz anmelden, ein Plus von 3,4 Prozent — im Schnitt 19 Betriebe pro Tag. Am stärksten betroffen waren Handel (1.192 Fälle) und Bau (1.080); der auffälligste Anstieg entfiel mit plus 35 Prozent auf Immobilien und Wohnungswesen (447 Fälle).
Der Punkt, der Österreicher härter trifft als Deutsche
Das ist der wichtigste Abschnitt dieses Beitrags, und er wird in deutschsprachigen Auswanderer-Ratgebern regelmäßig übersehen, weil sie deutsche Rechtslage beschreiben.
Verlegt eine natürliche Person ihren Wohnsitz aus Österreich ins Ausland und wird dadurch das österreichische Besteuerungsrecht eingeschränkt, greift die Wegzugsbesteuerung nach § 27 Abs. 6 EStG: Die stillen Reserven im Kapitalvermögen — Beteiligungen an GmbH und AG, Wertpapiere — gelten im Wegzugszeitpunkt als fiktiv veräußert und werden besteuert, ohne dass ein Euro geflossen wäre.
| Wegzug in EU/EWR | Wegzug in einen Drittstaat (z. B. Georgien) | |
|---|---|---|
| Steuerentstehung | fiktive Veräußerung im Wegzugszeitpunkt | fiktive Veräußerung im Wegzugszeitpunkt |
| Fälligkeit Der entscheidende Unterschied für ein Georgien-Szenario | Zahlung kann gestundet bzw. in Raten entrichtet werden | **sofortige Vorschreibung** — die Steuer wird unmittelbar fällig |
| Liquiditätswirkung | über mehrere Jahre planbar | voller Betrag zum Wegzugszeitpunkt aus vorhandener Liquidität |
| Planungshorizont | Ratenmodell entlastet den Zeitpunkt | der Zeitpunkt bestimmt die gesamte Belastung |
Die praktische Konsequenz ist nicht „also besser bleiben“, sondern eine andere Reihenfolge: Für Österreicher gehört die Bewertung der Beteiligungen an den Anfang der Planung — noch vor jede Gründung im Ausland.
Die Planungsreihenfolge für Österreicher
Vier Schritte, in dieser Reihenfolge
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1 — Beteiligungen bewerten lassen
Wie hoch wäre die Wegzugssteuer nach § 27 Abs. 6 EStG heute? Da bei Drittstaaten die sofortige Vorschreibung droht, ist das keine Nebenfrage, sondern die Grundlage für alles Weitere. Nur ein österreichischer Steuerberater kann sie beantworten.
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2 — Struktur und Konto vorbereiten
Georgisches Bankkonto und Gesellschaft lassen sich aufbauen, während Sie in Österreich ansässig und dort erklärungspflichtig bleiben. Georgien nimmt seit 2024 am CRS teil — die Konten werden ohnehin gemeldet.
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3 — Vor Ort testen
Österreichische Staatsangehörige können sich 365 Tage visumfrei in Georgien aufhalten. Das reicht, um Land, Banking und Alltag zu prüfen, bevor etwas Unumkehrbares passiert.
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4 — Verlagern mit echter Substanz
Erst dann die Ansässigkeit verlegen: Wohnsitz in Österreich tatsächlich aufgeben, georgische Steuerresidenz begründen, Entscheidungen vor Ort treffen und dokumentieren.
Was auf der anderen Seite steht
Für ortsunabhängige Geschäftsmodelle sieht die Gegenrechnung so aus wie für deutsche Unternehmer: 1 Prozent auf den Umsatz bis 500.000 GEL im Small Business Status, das Estland-Modell für Kapitalgesellschaften mit 15 Prozent erst bei Ausschüttung, steuerfreie Auslandsdividenden nach dem Territorialprinzip und 0 Prozent auf private Krypto-Veräußerungsgewinne. Dazu Lebenshaltungskosten, die je nach Erhebung rund 46 bis 55 Prozent unter mitteleuropäischem Niveau liegen, und Mieten in Tiflis, die rund 57 Prozent unter Berliner Niveau liegen.
Was Sie im Gegenzug selbst organisieren müssen, ist dasselbe wie für Deutsche: Kranken-, Pflege- und Altersvorsorge ersetzen das österreichische Sozialversicherungssystem nicht von allein. Die Details der georgischen Seite stehen in Standortvergleich 2026 und 1 %-Steuer in Georgien.
Und die Grundregel gilt unverändert, unabhängig vom Herkunftsland: Eine georgische Gesellschaft allein bewirkt nichts, solange Sie in Österreich wohnen und von dort entscheiden — warum das so ist, steht in Georgische Firma, deutsche Behörden; die dort beschriebene Anknüpfung an den Ort der Geschäftsleitung kennt das österreichische Recht in vergleichbarer Form.
Häufige Fragen
FAQ
Wie hoch ist die Abgabenlast in Österreich?
Die Abgabenquote lag 2025 bei 44,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Im europäischen Vergleich 2024 lagen nur Frankreich (45,3 %) und Belgien (44,8 %) darüber; im OECD-Ranking hat Österreich den fünfthöchsten Wert. Der Steuerkeil für alleinstehende Durchschnittsverdienende betrug 47 Prozent.
Was ist die Wegzugsbesteuerung nach § 27 Abs. 6 EStG?
Verlegt eine natürliche Person ihren Wohnsitz ins Ausland und wird dadurch das österreichische Besteuerungsrecht eingeschränkt, gelten die stillen Reserven im Kapitalvermögen — etwa GmbH-Beteiligungen und Wertpapiere — im Wegzugszeitpunkt als fiktiv veräußert und werden besteuert. Es fließt kein Geld, die Steuer entsteht trotzdem.
Ist der Wegzug nach Georgien für Österreicher teurer als in die EU?
In der Fälligkeit ja. Bei einem Wegzug innerhalb von EU und EWR kann die Zahlung gestundet beziehungsweise in Raten geleistet werden. Georgien ist Drittstaat — dort kommt es grundsätzlich zur sofortigen Vorschreibung der Wegzugssteuer. Die Regelungen wurden 2026 zudem verschärft, weshalb die Berechnung zwingend vor die Entscheidung gehört.
Gibt es in Österreich eine Vermögens- oder Erbschaftssteuer?
Derzeit nicht: Die Vermögensteuer wurde 1994 abgeschafft, die Erbschafts- und Schenkungssteuer 2008. SPÖ und Grüne fordern eine Erbschaftssteuer auf große Vermögen, ÖVP und FPÖ lehnen Substanzbesteuerung ab; der Nationalrat hat eine Wiedereinführung am 25. Februar 2026 mehrheitlich abgelehnt. Anders als in Deutschland, wo die Vermögensteuer nur ausgesetzt ist, wurden diese Steuern in Österreich tatsächlich beseitigt.
Wie viele Unternehmen gehen in Österreich in die Insolvenz?
Laut KSV1870 mussten 2025 rund 6.810 Unternehmen Insolvenz anmelden, ein Plus von 3,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr — im Schnitt 19 Betriebe pro Tag. Am häufigsten betroffen waren Handel (1.192) und Bau (1.080); der stärkste Anstieg entfiel mit plus 35 Prozent auf Immobilien und Wohnungswesen.
Brauche ich als Österreicher ein Visum für Georgien?
Für den Aufenthalt nicht: Österreichische Staatsangehörige gehören zu den Bürgern von rund 95 Ländern, die sich 365 Tage visumfrei in Georgien aufhalten dürfen. Das erlaubt eine ausgiebige Testphase, bevor Sie über die Verlagerung von Wohnsitz und Steuerresidenz entscheiden.
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und stellt keine Rechts- oder Steuerberatung dar. Die Kennzahlen stammen von der OECD, dem österreichischen Parlament (Budgetdienst) und dem KSV1870. Die Wegzugsbesteuerung nach § 27 Abs. 6 EStG ist eine Einzelfallfrage mit erheblichen finanziellen Folgen und wurde 2026 verschärft — binden Sie zwingend einen österreichischen Steuerberater ein, bevor Sie Entscheidungen treffen. Stand: August 2026, Änderungen der Rechtslage vorbehalten.