Die 1 % Steuer in Georgien ist einer der niedrigsten regulären Steuersätze für Selbständige weltweit — kein Sonderdeal, sondern geltendes Steuerrecht. Freelancer registrieren sich als Individual Entrepreneur (I/E) und beantragen den Small Business Status (SBS): 1 % Einkommensteuer auf den Umsatz bis 500.000 GEL pro Jahr. Stand Juli 2026 gelten dabei neue Verfahrensregeln, die Sie vor dem Antrag kennen sollten.
So funktioniert das 1-%-Modell
Der Small Business Status ist ein Sonderregime für natürliche Personen, die als Individual Entrepreneur registriert sind:
| Micro Business | Small Business Status | Standard | |
|---|---|---|---|
| Steuersatz | 0 % | 1 % vom Umsatz | 20 % |
| Umsatzgrenze | 30.000 GEL/Jahr | 500.000 GEL/Jahr | — |
| Mitarbeiter erlaubt | |||
| Besonderheit | 15-Tage-Wechselfrist bei Überschreitung | monatliche Erklärung Pflicht | gilt auch bei Umqualifizierung |
Wichtig: Besteuert wird der Umsatz, nicht der Gewinn. Bei hohen Kostenquoten kann das Standardregime im Einzelfall günstiger sein — für typische Freelancer mit geringen Betriebsausgaben ist das 1-%-Modell fast immer die bessere Wahl. Wer die 500.000-GEL-Grenze überschreitet, zahlt ab dem Monat der Überschreitung 3 % auf den übersteigenden Betrag; der Status geht erst verloren, wenn die Grenze in zwei aufeinanderfolgenden Jahren gerissen wird. Beim Micro Business Status gilt: Nach Überschreiten der 30.000-GEL-Grenze muss binnen 15 Kalendertagen auf den SBS gewechselt werden — sonst werden 20 % auf den gesamten Umsatz fällig.
Der SBS steht unabhängig von der Steuerresidenz offen — auch Nicht-Residenten können ihn nutzen. Wer weiterhin in Deutschland oder Österreich ansässig ist, muss das Doppelbesteuerungsrisiko im Wohnsitzstaat prüfen. Details zur Ansässigkeit: Steuerresidenz in Georgien.
Neu seit 7. März 2026: drei Regeländerungen
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Sofortige Aktivierung
Der Status wird am Tag der Antragstellung wirksam — bisher erst ab dem Folgemonat. Die Pflichten beginnen damit ebenfalls sofort.
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Monatliche Erklärung auch bei Null-Umsatz
Die monatliche Steuererklärung ist jetzt Pflicht, selbst wenn kein Umsatz anfiel. Die Nichtabgabe gilt als Steuervergehen.
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Sperre nach Statusentzug
Wird der Status entzogen (außer wegen Schwellenüberschreitung), ist ein Neuantrag erst im Folgejahr möglich.
Erlaubte und ausgeschlossene Tätigkeiten
Nicht jede Tätigkeit qualifiziert: Dekret #415 schließt bestimmte Geschäftsmodelle aus — prominent darunter Beratung/Consulting.
- IT- und Softwareentwicklung
- Design und Grafik
- Texterstellung
- Marketing-Dienstleistungen (Ausführung)
- E-Commerce-Dienstleistungen
- Beratung/Consulting
- bestimmte lizenzpflichtige Tätigkeiten
Die Abgrenzung zwischen „Marketing-Ausführung“ (erlaubt) und „Marketing-Beratung“ (ausgeschlossen) ist in der Praxis entscheidend und sollte vor der Registrierung sauber geklärt werden — inklusive Tätigkeitscodes und Vertragsformulierungen.
Kundenmix: echte Selbständigkeit dokumentieren
Der Revenue Service prüft die Substanz der Tätigkeit, nicht den Vertragstitel (GAAR, Art. 73.9 des georgischen Steuergesetzbuchs). Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit fallen nie unter das 1-%-Regime — sie werden immer mit 20 % besteuert. Dieses Umqualifizierungsrisiko zielt auf verdeckte Anstellungsverhältnisse, nicht auf echtes Unternehmertum: Wer mehrere Kunden in ausgewogenem Verhältnis bedient, hat hier kein Problem.
Als Faustregel gilt: kein einzelner Kunde über 85 % des Umsatzes — ohnehin betriebswirtschaftliche Best Practice gegen Klumpenrisiken. Kritisch sind die klassischen Indizien eines Arbeitsverhältnisses: ein dominanter Einzelkunde, bezahlter Urlaub, gestellte Ausrüstung oder Krankenversicherung durch den Kunden. Der Revenue Service setzt dafür einen Fragebogen mit bis zu 40 Fragen ein; bei Umqualifizierung drohen 20 % Steuer rückwirkend, Strafen bis 50 % und Zinsen (Verjährung: 3 Jahre).
Mehrwertsteuer: für Export-Freelancer meist irrelevant
Die MwSt-Registrierung wird ab 100.000 GEL Umsatz in 12 Monaten Pflicht — die Schwelle zählt aber nur georgisch steuerbare Umsätze. Exportdienstleistungen an Kunden außerhalb Georgiens sind nicht georgisch mehrwertsteuerbar und gehen gar nicht erst in die Schwelle ein: Freelancer mit reinen Auslandskunden bleiben in der Regel MwSt-frei, Sonderfälle mit georgischem Leistungsort vorbehalten. Solche Export-Freelancer brauchen seit 2026 auch keine lokale Arbeitserlaubnis — Details: Digitale Nomaden in Georgien. Für passive Auslandseinkünfte gilt zusätzlich das Territorialprinzip: Steuerfreie Auslandseinkünfte.
Registrierung: der Ablauf
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Vorprüfung
Tätigkeitsprofil gegen Dekret #415 prüfen, Scheinselbständigkeits-Check.
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I/E-Registrierung
Beim Public Service Hall inklusive Steuernummer.
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SBS-Antrag
Beim Revenue Service — mit sofortiger Wirkung am Antragstag.
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Laufende Compliance
Monatliche Erklärungen (auch bei Null-Umsatz), Überwachung der 500.000-GEL- und der MwSt-Schwelle.
Preise (Stand Mai 2026): I/E-Gründung ab 990 €, Komplettpaket 2.999 € (Gründung, SBS, Bankkonto, Einrichtung) plus 1.999 €/Jahr laufende Betreuung inklusive monatlicher Erklärungen. Zum Konto: Bankkonto in Georgien; für US-LLC-Strukturen: US LLC + Georgien.
Häufige Fragen
FAQ
Wie hoch ist die Steuer mit Small Business Status?
1 % auf den Umsatz bis 500.000 GEL Jahresumsatz. Auf den darüber liegenden Betrag fallen 3 % an, ab dem Monat der Überschreitung. Besteuert wird der Umsatz, nicht der Gewinn.
Was ändert sich am SBS seit dem 7. März 2026?
Drei Punkte: Der Status wird sofort am Antragstag wirksam, die monatliche Steuererklärung ist auch bei Null-Umsatz Pflicht, und nach einem Statusentzug ist ein Neuantrag erst im Folgejahr möglich.
Kann ich als Berater den 1-%-Status nutzen?
Nein. Beratung/Consulting gehört nach Dekret #415 zu den ausgeschlossenen Tätigkeiten. Erlaubt sind u. a. IT-/Softwareentwicklung, Design, Texterstellung, Marketing-Ausführung und E-Commerce-Dienstleistungen.
Muss ich für den 1-%-Status in Georgien steuerlich ansässig sein?
Nein, der SBS gilt unabhängig von der Steuerresidenz. Ohne georgische Ansässigkeit besteht aber ein Doppelbesteuerungsrisiko im Wohnsitzstaat — die Einkünfte sind dort in der Regel zu deklarieren.
Wann wird ein Freelancer als scheinselbständig umqualifiziert?
Wenn die Substanz auf ein verdecktes Arbeitsverhältnis hindeutet: ein Kunde mit über 85 % des Umsatzes, bezahlter Urlaub, gestellte Ausrüstung oder Krankenversicherung durch den Kunden. Folge: 20 % Steuer rückwirkend, Strafen bis 50 % plus Zinsen, Verjährung 3 Jahre.
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und stellt keine Rechts- oder Steuerberatung dar. Wer in Deutschland, Österreich oder der Schweiz steuerpflichtig ist, muss ausländische Einkünfte und Konten dort deklarieren — binden Sie für Wegzug und laufende Pflichten immer einen Steuerberater in Ihrem Heimatland ein. Stand: Juli 2026, Änderungen der Rechtslage vorbehalten.