Über die Beiträge zur gesetzlichen Krankenversicherung lässt sich streiten, über ihre Höhe nicht: Sie steht in der Sozialversicherungs-Rechengrößenverordnung. Interessanter ist, was im Sommer 2026 auf der Leistungsseite beschlossen wurde — und wie sich das zu einer Police verhält, die wir für unsere eigenen Mitarbeiter in Tiflis abgeschlossen haben. Dieser Beitrag stellt beides nebeneinander: die Zahlen des deutschen Systems aus amtlicher Quelle, den georgischen Vertrag mit Prämien, Limits und Ausschlüssen — und die Stelle, an der der Vergleich aufhört zu tragen.
Was es kostet
Die Rechnung ist kurz. 2026 gelten ein allgemeiner Beitragssatz von 14,6 Prozent, ein durchschnittlicher Zusatzbeitrag von 2,9 Prozent und eine Pflegeversicherung von 3,6 Prozent — für Kinderlose über 23 Jahren 4,2 Prozent. Die Beitragsbemessungsgrenze liegt bei 5.812,50 Euro monatlich, also 69.750 Euro im Jahr.
Für einen kinderlosen Versicherten oberhalb dieser Grenze ergibt das 1.261,31 Euro im Monat, zusammen 15.135,75 Euro im Jahr — Arbeitgeber- und Arbeitnehmeranteil addiert, bevor eine einzige Leistung in Anspruch genommen wurde.
Die Bewegung steckt im Zusatzbeitrag. Er lag 2022 im Schnitt bei rund 1,4 Prozent und zum 1. Januar 2025 bei 2,9 Prozent — eine Verdopplung binnen drei Jahren. Das ist die Kennzahl, die Beitragszahler unmittelbar trifft, und sie ist besser belegt als jede Wartezeitstatistik: Sie steht im Regierungsentwurf zum Beitragssatzstabilisierungsgesetz. Im selben Abschnitt findet sich das GKV-Defizit für 2024 — Krankenkassen und Gesundheitsfonds zusammen knapp 10 Milliarden Euro.
Dass die Beiträge steigen, hat einen nachrechenbaren Grund. 2025 wuchsen die Ausgaben um 7,8 Prozent, die Beitragseinnahmen ohne Zusatzbeiträge nur um 5,3 Prozent — der Zusatzbeitrag ist genau die Stellschraube, die die Lücke schließen musste. Allein die Krankenhausbehandlungen legten um 9,6 Prozent auf 111,43 Milliarden Euro zu — knapp ein Drittel aller Ausgaben. Zum Jahresende 2025 lagen die Finanzreserven der Krankenkassen bei rund 5,1 Milliarden Euro, das entspricht 0,18 Monatsausgaben und damit weniger als der gesetzlich vorgeschriebenen Mindestreserve von 0,2.
Was ab 2027 gestrichen wird
Das Gesetz zur Stabilisierung der Beitragssätze in der gesetzlichen Krankenversicherung ist kein Vorhaben mehr. Der Bundestag hat es am 10. Juli 2026 in namentlicher Abstimmung angenommen, der Bundesrat ließ es am selben Tag passieren; ausgefertigt wurde es am 24. Juli, verkündet am 29. Juli 2026 (BGBl. 2026 I Nr. 228) — in Kraft seit dem 30. Juli 2026. Es ist kein Beitragssenkungsgesetz, sondern ein Leistungsgesetz mit umgekehrtem Vorzeichen.
Der Umfang steht im Regierungsentwurf: Die Bundesregierung beziffert die Entlastung der GKV auf 16,3 Milliarden Euro für 2027, ansteigend auf 38,1 Milliarden bis 2030. Von den 16,3 Milliarden entfallen 2027 2,5 Milliarden auf Versicherte und Patienten — 1,9 davon über höhere Zuzahlungen.
| Maßnahme | Wirkung | Ab |
|---|---|---|
| Zuzahlungen (§ 61 SGB V neu) | 10 % des Abgabepreises, mind. 7,50 €, höchstens 15 € statt 5 bis 10 € | 2027 |
| Festzuschüsse Zahnersatz | −10 % | 2027 |
| Homöopathika, Anthroposophika, Cannabisblüten | nicht mehr Leistung der GKV | seit 30.07.2026 |
| Ärztliche Vergütung | Abschlag 1 Prozentpunkt auf die Grundlohnrate | 2027–2029 |
| Extrabudgetäre Vergütung | grundsätzlich in die Gesamtvergütung überführt, bis auf wenige Ausnahmen | 2027 |
| Pflege-Tarifsteigerungen im Krankenhaus | nur noch zu 50 % refinanziert | 2027 |
| Herstellerabschlag Arzneimittel | zusätzliche 8,5 % neben den bestehenden 7 %, zusammen 15,5 % | 2027 |
| Beitragsbemessungsgrenze | + 3.600 € im Jahr zusätzlich zur Fortschreibung (§ 223 Abs. 4 SGB V n. F.) | 2027 |
| Zuschlag für mitversicherte Ehe- und Lebenspartner | 2,5 Prozentpunkte auf den Beitragssatz (§ 242b SGB V n. F.) | 2028 |
Der letzte Punkt verdient Aufmerksamkeit, weil er ein Strukturmerkmal antastet: Die beitragsfreie Familienversicherung war eines der stärksten Argumente für das gesetzliche System. Sie bleibt bestehen, solange ein Kind unter zwölf Jahren betreut wird — im Kabinettsentwurf waren es noch sieben —, und ebenso bei Pflege eines Angehörigen ab Pflegegrad 2, ab Erreichen der Regelaltersgrenze, bei eigenem Pflegegrad 3, voller Erwerbsminderung oder einem Grad der Behinderung von mindestens 60. Für alle anderen mitversicherten Ehe- und Lebenspartner greift der Zuschlag ab 2028. Kinder bleiben beitragsfrei; das ist im Gesetz ausdrücklich festgeschrieben.
Auf der Einnahmenseite steht vor allem die Beitragsbemessungsgrenze. Der neue § 223 Absatz 4 SGB V hebt sie für 2027 um 3.600 Euro im Jahr über die reguläre Fortschreibung hinaus an — und löst sie damit erstmals von der Jahresarbeitsentgeltgrenze. Wer oberhalb der Grenze verdient, zahlt also nicht nur den höheren Satz, sondern auf eine größere Bemessungsgrundlage.
Der Bundeszuschuss sinkt 2027 auf 13,15 Milliarden Euro und ab 2028 auf 12,95 Milliarden — gekürzt wurde also um 1,35 statt um die im Regierungsentwurf vorgesehenen 2 Milliarden Euro jährlich.
Eine viel zitierte Gegenfinanzierung steht nicht im Gesetz: Die Steuer auf zuckergesüßte Getränke ist eine Empfehlung der FinanzKommission Gesundheit, kein geltendes Recht. Das verkündete Gesetz ändert ausschließlich Sozialgesetzbücher und Krankenhausrecht, kein Verbrauchsteuergesetz.
Die Zahl, die durch die Presse ging
Die Kassenärztliche Bundesvereinigung warnte am 11. Mai 2026 vor dem Wegfall von 46 Millionen nicht finanzierten Behandlungsfällen. KBV-Chef Andreas Gassen sprach von einem „heckenschnittartigen Spargesetz“; genannt wurden unter anderem 16,6 Millionen Fälle in der Allgemeinmedizin und 1,4 Millionen in der Kinder- und Jugendmedizin, bei einer Finanzierungslücke von 1,75 Milliarden Euro für 2027.
Zwei Präzisierungen gehören dazu, und sie schwächen die Aussage nicht, sondern machen sie belastbar. Erstens sind Behandlungsfälle keine Termine — ein Fall umfasst je Quartal in der Regel mehrere Kontakte; die verbreitete Gleichsetzung mit „46 Millionen Arztterminen“ ist ungenau. Zweitens bezog sich die Rechnung auf den Kabinettsentwurf vom 29. April 2026. Das verabschiedete Gesetz kürzt den Bundeszuschuss geringer, hebt den Kinderfreibetrag in der Familienversicherung von sieben auf zwölf Jahre an und verzichtet auf die Dynamisierung der Zuzahlungen. Die Größenordnung der Warnung bleibt, ihre Grundlage hat sich verschoben.
170 Millionen, die nicht hätten verloren gehen dürfen
Parallel läuft ein Vorgang, der weniger mit Demografie zu tun hat als mit Aufsicht. Nach einer Recherche von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung vom 17. Juli 2026 haben gesetzliche Krankenkassen und Kassenärztliche Vereinigungen Versichertengelder in Immobilienfonds der Verius-Gruppe angelegt und weitgehend verloren.
Der parlamentarisch aktenkundige Stand steht in Bundestagsdrucksache 21/7556 vom 12. August 2026: mindestens 17 Träger, mindestens 170 Millionen Euro. Für die Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg sind 50 Millionen Euro Anlagevolumen aus den Jahren 2019 bis 2022 und eine Verlustquote von 96,3 Prozent dokumentiert. Eine Folgerecherche desselben Verbunds nennt im August 2026 knapp 220 Millionen Euro und 28 betroffene Träger bei einem Anlagevolumen von über 500 Millionen — diese Zahlen beruhen auf Angaben von Informanten und sind amtlich nicht bestätigt.
Der Maßstab dafür ist eindeutig formuliert. § 80 Absatz 1 Satz 2 SGB IV verlangt, dass Mittel der Sozialversicherungsträger so anzulegen sind, „dass ein Verlust ausgeschlossen erscheint, ein angemessener Ertrag erzielt wird und eine ausreichende Liquidität gewährleistet ist“. Nicht „Sicherheit soll angestrebt werden“ — Verlust soll ausgeschlossen erscheinen.
Was der private Weg in Deutschland kostet
Die naheliegende Alternative im Inland ist keine. Zum 1. Januar 2025 war rund zwei Drittel der Privatversicherten von einer Anpassung betroffen, im Schnitt mit 18 Prozent; zum 1. Januar 2026 traf es rund 60 Prozent mit durchschnittlich 13 Prozent. Beide Werte gelten für die jeweils betroffenen Verträge, nicht für den gesamten Bestand — wer allerdings in beiden Runden dabei war, zahlt gut ein Drittel mehr als zwei Jahre zuvor. Der durchschnittliche Monatsbeitrag in der Vollversicherung dürfte 2026 bei rund 617 Euro liegen — der PKV-Verband knüpft die Zahl ausdrücklich daran, dass die Steigerung so im Versichertenbestand ankommt.
Das ist Systemeigenschaft, nicht Betriebsunfall. Eine Anpassung wird nach § 155 Absatz 3 VAG ausgelöst, sobald die erforderlichen von den kalkulierten Versicherungsleistungen um mehr als zehn Prozent abweichen — weshalb Erhöhungen nicht jährlich in kleinen Schritten kommen, sondern selten und dann kräftig. Die Prämie richtet sich zudem nach Eintrittsalter und Gesundheitszustand, nicht nach dem Einkommen. Sie sinkt nicht, wenn das Einkommen sinkt — was sie im Ruhestand zum Problem macht.
Für diesen Fall gibt es zwei Auffangnetze, und ihre Höhe ist die eigentliche Nachricht: Der Basistarif ist 2026 auf 1.017,18 Euro monatlich gedeckelt — exakt der Höchstbeitrag zur gesetzlichen Krankenversicherung ohne Pflegeanteil —, bei Hilfebedürftigkeit halbiert er sich auf 508,59 Euro. Der Standardtarif, der Altverträge von vor 2009 voraussetzt, liegt 2026 bei höchstens 848,62 Euro. Ein Auffangnetz auf dem Niveau des GKV-Höchstbeitrags ist ein Auffangnetz, aber kein günstiges.
Der Blick nach Österreich
Österreich ist kein Deutschland mit anderen Zahlen, und beim Beitrag steht es sichtbar besser da. Der Krankenversicherungssatz nach ASVG liegt 2026 bei 7,65 Prozent — 3,87 Prozent Dienstnehmer-, 3,78 Prozent Dienstgeberanteil.
| Deutschland | Österreich | |
|---|---|---|
| Krankenversicherungssatz in Deutschland zzgl. Pflegeversicherung von 3,6 bzw. 4,2 % | 17,5 % (14,6 + Ø 2,9) | 7,65 % (ASVG) |
| Bemessungsgrenze je Monat Österreich zusätzlich 13.860 € Sonderzahlungen im Jahr | 5.812,50 € | 6.930,00 € |
| Höchstbeitrag Krankenversicherung je Monat Arbeitgeber- und Arbeitnehmeranteil zusammen | 1.017,19 € | 530,14 € |
| Beitrag im Ruhestand Österreich: angehoben von 5,1 % zum 1. Juni 2025 | Beitragssatz auf die Rente (KVdR) | 6,0 % der Pension |
| Gesundheitsausgaben am BIP Schweiz 11,8 %, OECD-Schnitt 9,3 % | 12,3 % | 11,7 % |
| Selbstbehalt beim Medikament die Rezeptgebühr bleibt 2026 unverändert | 7,50–15 € ab 2027 | 7,55 € Rezeptgebühr |
Der halbe Beitragssatz bedeutet nicht das halbe System. Österreich finanziert einen größeren Teil aus Steuern und internen Querzuschlägen: Auf die von Pensionisten einbehaltenen Beträge überweist der Pensionsversicherungsträger zusätzlich einen Hebesatz von 178 Prozent an die Krankenkasse. Der niedrigere Prozentsatz auf dem Lohnzettel ist also kein Preisvorteil, sondern eine andere Verbuchung.
Gespart wird trotzdem, und zwar bei denselben Gruppen. Der Krankenversicherungsbeitrag der Pensionisten stieg im Zuge des zweiten Budgetsanierungsmaßnahmengesetzes von 5,1 auf 6,0 Prozent, wirksam zum
- Juni 2025; für die Mehrzahl der Pensionsbeziehenden greift der volle Satz ab 2026. Als Gegenleistung bleibt die Rezeptgebühr 2026 bei 7,55 Euro.
Der Wahlarzt: die österreichische Eigenart
Was Österreich strukturell von Deutschland unterscheidet, ist die Wahlarzt-Konstruktion — und sie ist teurer, als sie klingt. Wer einen Arzt ohne Kassenvertrag aufsucht, zahlt zunächst selbst und bekommt anschließend 80 Prozent jenes Betrages erstattet, den der Versicherungsträger bei einem Vertragspartner aufgewendet hätte — ausdrücklich nicht 80 Prozent der Arztrechnung.
Die Lücke ist beziffert. 2023 wurden bei der ÖGK Wahlarztrechnungen über 551,45 Millionen Euro eingereicht; erstattet wurden davon 208,85 Millionen. Die Differenz tragen die Patienten. Eingereichte Honorarnoten entsprechen inzwischen rund 16 Prozent der Aufwendungen für den niedergelassenen Bereich — ein privat finanzierter Sektor innerhalb eines Pflichtsystems.
Der Hintergrund ist ein Dünnerwerden des Kassennetzes: Die besetzten Kassen-Planstellen in der Allgemeinmedizin gingen bezogen auf die Bevölkerung zwischen 2019 und 2023 um 5,1 Prozent zurück, nachdem sie von 2009 bis 2019 bereits um 10,2 Prozent gesunken waren. Ein einheitlicher Gesamtvertrag zwischen ÖGK und Ärztekammer besteht seit 2019 nicht. Und wie lange Menschen auf Termine warten, weiß niemand belastbar: Ein österreichweites Wartezeiten-Monitoring hat der Rechnungshof bereits 2021 empfohlen — bis zur Folgeprüfung 2025 wurde es nicht umgesetzt.
Was auf der anderen Seite steht
Wir versichern unsere Mitarbeiter in Tiflis bei der International Insurance Company IRAO, einer georgischen Aktiengesellschaft, die nach dem Geschäftsbericht 2025 vollständig zur Vienna Insurance Group gehört. Die VIG ist in Georgien mit IRAO und der Schwestergesellschaft GPI Holding nach eigener Angabe die zweitgrößte Gruppe am Markt — 24,0 Prozent Marktanteil in den ersten drei Quartalen 2025. Unser Vertrag läuft im Tarif Comfort.
Weil über georgische Prämien viel geraten und wenig belegt wird, hier die Struktur des Tarifs samt Größenordnung der Beiträge. Eine Vorbemerkung gehört zwingend dazu: Gruppenprämien sind Verhandlungsergebnis, keine Listenpreise. Sie hängen von Belegschaftsgröße, Altersstruktur, Schadenverlauf und vereinbartem Leistungsumfang ab und werden bei jeder Erneuerung neu festgelegt. Die folgenden Werte sind deshalb als Größenordnung zu lesen, nicht als Preisliste — aussagekräftig ist vor allem die Leistungsseite darunter:
| Standard | Comfort | Classic | Silver | |
|---|---|---|---|---|
| Monatsprämie je Person größenordnungsmäßig 15 / 18 / 23 / 28 € — individuell verhandelt, keine Listenpreise | ca. 45 GEL | ca. 55 GEL | ca. 70 GEL | ca. 85 GEL |
| Familienkarte, ein Angehöriger Prämie für die Karte insgesamt | ca. 90 GEL | ca. 110 GEL | ca. 140 GEL | ca. 170 GEL |
| Familienkarte, zwei und mehr größenordnungsmäßig 48 / 58 / 74 / 90 € im Monat | ca. 144 GEL | ca. 176 GEL | ca. 224 GEL | ca. 272 GEL |
| Stationär, Notfall Jahreshöchstsumme, 100 % Erstattung | 10.000 GEL | 12.000 GEL | 15.000 GEL | 20.000 GEL |
| Stationär, geplant Wartezeit zehn Monate | 8.000 GEL | 10.000 GEL | 12.000 GEL | 15.000 GEL |
| Onkologie Wartezeit zehn Monate — im Comfort-Tarif rund 2.310 € | 5.000 GEL | 7.000 GEL | 8.000 GEL | 10.000 GEL |
| Ambulant geplant, Vertragsklinik Erstattungsquote und Jahreslimit in GEL | 70 % / 2.000 | 80 % / 2.500 | 90 % / 3.000 | 90 % / 3.500 |
| Medikamente mit Verordnung in der Vertragsapotheke | 60 % / 1.500 | 70 % / 2.000 | 80 % / 2.500 | 90 % / 3.000 |
| Reiseversicherung 50.000 USD je Versicherungsperiode, nur Mitarbeiter | 14 Tage | 30 Tage | 60 Tage | unbegrenzt |
Die Staffel liegt damit zum Kurs der georgischen Nationalbank vom 19. August 2026 (3,0265 Lari je Euro) grob zwischen 15 und 28 Euro im Monat, also etwa 180 bis 340 Euro im Jahr. Gegen 15.135,75 Euro GKV-Höchstbeitrag ist selbst das obere Ende noch um den Faktor 45 entfernt, das untere um mehr als den Faktor 80.
Diese Größenordnung stimmt — und sie ist trotzdem die unehrlichste Zahl des ganzen Beitrags, solange nicht daneben steht, was sie nicht abbildet.
Zum Leistungsbild gehört, dass der Tarif ein Ärztenetz mit 22 Standorten umfasst — von Tiflis, Batumi und Kutaissi bis nach Stepanzminda, Sugdidi und Oni —, dass ambulante Notfallversorgung, Rettungsdienst und ein persönlicher Arzt unbegrenzt abgedeckt sind und dass zweimal jährlich Vorsorge eingeschlossen ist.
Wo der Vergleich endet
- Jahreshöchstsummen statt unbegrenzter Leistung Comfort: 10.000 GEL geplant stationär, rund 3.300 € — danach zahlt der Versicherte
- Prozentuale Selbstbehalte 20 bis 40 % ambulant, je nach Klinik und Tarif
- Zehn Monate Wartezeit auf geplante Leistungen betrifft auch Onkologie und Kardiologie
- Psychische und Verhaltensstörungen ICD-10 F00 bis F99 vollständig ausgeschlossen, einschließlich Depression und Angststörungen
- Angeborene und genetische Erkrankungen mit wenigen namentlich genannten Ausnahmen
- Rehabilitation, Kur, Physiotherapie ausgeschlossen; Physio nur zu 30 % und nur in einem Zentrum
- Palliativmedizin ausgeschlossen
- Transplantationen, Hörgeräte, Brillen, Kontaktlinsen ausgeschlossen; Endoprothesen und Stents nur im Rahmen der Limits
- Chronische Hepatitis, HIV, AIDS nur Primärdiagnostik erstattet
- Netzbindung an Vertragskliniken freie Arztwahl nur mit deutlich niedrigerer Quote
- Keine Alterungsrückstellung jährliche Neukalkulation; Altersgrenzen beim Neuabschluss meist 65 bis 70 Jahre
- Notfallversorgung, Rettungsdienst, Vorsorge unbegrenzt beziehungsweise zweimal jährlich — hier ist die Police stark
Die gesetzliche Krankenversicherung kennt nichts davon. Sie leistet ohne Jahreshöchstsumme, ohne Wartezeit, ohne Gesundheitsprüfung und ohne Altersgrenze; sie zahlt Psychotherapie, Reha, Palliativversorgung und Transplantationen; sie versichert Kinder beitragsfrei mit. Genau deshalb kostet sie, was sie kostet. Wer ein paar hundert Euro Jahresprämie gegen 15.136 Euro stellt, vergleicht zwei Produkte, die sich nur im Namen ähneln.
Und ein Punkt gehört ausdrücklich dazu: Das sind Gruppenprämien. Sie gelten für eine Belegschaft, die im Schnitt jung ist und über den Arbeitgeber kollektiv aufgenommen wurde — ohne Einzelrisikoprüfung und zu einem Beitrag, der für das Kollektiv kalkuliert ist. Wie sehr das die Ausnahme und nicht die Regel beschreibt, zeigt die Aufsichtsstatistik: Von 785.361 Krankenversicherungspolicen, die am 31. Dezember 2025 in Georgien in Kraft waren, liefen 56,8 Prozent über Unternehmen und 32,7 Prozent über staatliche Stellen — auf Einzelpersonen entfielen nur 82.911 Policen, also 10,6 Prozent. Bei rund 3,7 Millionen Einwohnern ist die private Einzelversicherung ein Nischenmarkt.
Eine Privatperson zahlt daher andere Prämien, und beim Neuabschluss setzen georgische Versicherer regelmäßig eine Altersgrenze zwischen 65 und 70 Jahren. Wer mit 68 nach Tiflis zieht und dort erstmals eine Police sucht, findet unter Umständen keine mehr.
Ein zweites Detail gehört der Vollständigkeit halber dazu: Die Vienna Insurance Group hält nach demselben Geschäftsbericht 90 Prozent an der Tifliser Klinik Curatio — die in der Anbieterliste des Tarifs zugleich als Vertragsklinik geführt wird. Versicherer und Leistungserbringer liegen also teilweise in einer Hand. Das ist im georgischen Markt nicht ungewöhnlich, es gehört aber auf den Tisch, wenn man Erstattungsquoten nach Klinik vergleicht.
Was daraus folgt
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Die eigene Beitragslast tatsächlich ausrechnen
Nicht der Höchstbeitrag ist der Normalfall, sondern der Beitrag auf das eigene Einkommen. Erst diese Zahl — plus die ab 2027 höheren Zuzahlungen und der ab 2028 fällige Partnerbeitrag — ergibt die Größe, um die es geht.
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Die Reihenfolge vor dem Preis klären
Eine georgische Police ersetzt keine deutsche Mitgliedschaft, weil zwischen Deutschland und Georgien kein Abkommen über soziale Sicherheit besteht. Sie ist sinnvoll, wenn der Wohnsitz ohnehin wechselt — und sinnlos als Sparmodell bei fortbestehendem deutschem Wohnsitz.
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Das Lebensalter gegen § 6 Abs. 3a SGB V stellen
Ab 55 ist die Rückkehr in die gesetzliche Kasse regelmäßig ausgeschlossen. Diese Prüfung gehört vor den Wegzug, nicht in das Jahr der Rückkehr.
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Die Ausschlussliste gegen die eigene Krankengeschichte lesen
Eine Vorerkrankung aus dem F-Kapitel, eine angeborene Diagnose oder ein absehbarer Reha-Bedarf entscheidet über die Tauglichkeit der Police mehr als jede Prämie. Das ist eine Prüfung am konkreten Vertrag, nicht am Prospekt.
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Die Nachweispflicht bei der Einreise beachten
Seit dem 1. Januar 2026 verlangt Georgien bei der Einreise eine Kranken- und Unfallversicherung für die gesamte Aufenthaltsdauer, mit einer Mindestdeckung von 30.000 GEL — rund 9.900 Euro. Ohne Nachweis wird die Einreise verweigert.
Der Befund ist unspektakulärer, als die Zahlen nahelegen. Das deutsche System ist teuer, und es wird ab 2027 an den Rändern schmaler: höhere Zuzahlungen, weniger Zahnersatz, ein Vergütungsabschlag beim Arzt, ein Beitrag für den bisher beitragsfrei mitversicherten Partner. Das georgische Angebot ist billig, und es ist genau in dem Maß schmaler, in dem es billiger ist. Der Unterschied ist kein Qualitätsurteil, sondern eine Frage, welches Risiko man selbst trägt.
Was beim Wegzug mit der Mitgliedschaft passiert und warum die Rückkehr ab 55 versperrt ist, steht in Raus aus der Kasse ist einfach. Zurück nicht. Was der Staat insgesamt kostet und liefert, in Staatsquote 50,3 % und Deutschland zerfällt leise. Wie sich der Lari zum Euro entwickelt hat — die Grundlage jeder Umrechnung in diesem Beitrag — in Der Lari 2023 bis 2026. Die österreichische Standortbilanz steht in Auswandern aus Österreich, die Pensionsseite in Pension Österreich: 86,8 % Ersatzrate. Was eine Rente an einem Standort mit niedrigerem Preisniveau bedeutet, in Ruhestand in Georgien.
Häufige Fragen
Wie hoch ist der GKV-Höchstbeitrag 2026?
Die Beitragsbemessungsgrenze liegt 2026 bei 5.812,50 Euro monatlich, also 69.750 Euro im Jahr. Darauf entfallen 14,6 Prozent allgemeiner Beitragssatz, im Schnitt 2,9 Prozent Zusatzbeitrag und 3,6 Prozent Pflegeversicherung — für Kinderlose über 23 Jahren 4,2 Prozent. Für einen kinderlosen Versicherten oberhalb der Grenze ergibt das 1.261,31 Euro im Monat und 15.135,75 Euro im Jahr, Arbeitgeber- und Arbeitnehmeranteil zusammen.
Was ändert das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz?
Der Bundestag hat es am 10. Juli 2026 beschlossen, ausgefertigt wurde es am 24. Juli und verkündet am 29. Juli 2026 (BGBl. 2026 I Nr. 228); in Kraft ist es seit dem 30. Juli 2026. Die Zuzahlungen steigen auf 10 Prozent des Abgabepreises, mindestens 7,50 und höchstens 15 Euro statt bisher 5 bis 10 Euro. Die Festzuschüsse für Zahnersatz sinken um 10 Prozent. Homöopathische und anthroposophische Arzneimittel sowie Cannabisblüten sind keine Leistung der GKV mehr. Ab 2028 erheben die Kassen für mitversicherte Ehe- und Lebenspartner einen Zuschlag von 2,5 Prozentpunkten auf den Beitragssatz (§ 242b Abs. 1 SGB V n. F.); er entfällt unter anderem bei einem Kind unter 12 Jahren, bei Pflege eines Angehörigen ab Pflegegrad 2, ab der Regelaltersgrenze und bei einem Grad der Behinderung von mindestens 60. Auf die ärztliche Vergütung kommt von 2027 bis 2029 ein Abschlag von einem Prozentpunkt. Die Bundesregierung beziffert die Gesamtentlastung auf 16,3 Milliarden Euro für 2027.
Stimmt es, dass 46 Millionen Arzttermine wegfallen?
Die Zahl stammt von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung und ist präziser, als sie meist wiedergegeben wird. Sie bezeichnet 46 Millionen nicht finanzierte Behandlungsfälle, nicht Termine — ein Behandlungsfall umfasst je Quartal in der Regel mehrere Kontakte. KBV-Chef Andreas Gassen nannte sie am 11. Mai 2026 mit Blick auf eine Finanzierungslücke von 1,75 Milliarden Euro für 2027. Wichtig für die Einordnung: Die Rechnung bezog sich auf den Kabinettsentwurf vom 29. April 2026. Das Gesetz wurde danach entschärft — der Bundeszuschuss wurde 2027 um 1,35 statt um 2 Milliarden Euro gekürzt.
Was ist bei den Verius-Fonds passiert?
Nach einer Recherche von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung vom 17. Juli 2026 haben Krankenkassen und Kassenärztliche Vereinigungen Versichertengelder in Immobilienfonds der Verius-Gruppe verloren. Der parlamentarisch aktenkundige Stand — Bundestagsdrucksache 21/7556 vom 12. August 2026 — nennt mindestens 17 Träger und mindestens 170 Millionen Euro; für die Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg sind 50 Millionen Euro Anlagevolumen aus den Jahren 2019 bis 2022 und eine Verlustquote von 96,3 Prozent dokumentiert. Maßstab ist § 80 Absatz 1 Satz 2 SGB IV: Sozialversicherungsträger dürfen Mittel nur so anlegen, dass ein Verlust ausgeschlossen erscheint.
Was kostet eine private Krankenversicherung in Georgien?
In der Größenordnung von etwa 45 bis 85 Lari je Person und Monat — rund 15 bis 28 Euro — für die Tarifstufen eines georgischen Firmenvertrags, wie wir ihn für unsere Mitarbeiter in Tiflis bei der IRAO (Vienna Insurance Group) führen. Feste Listenpreise sind das ausdrücklich nicht: Gruppenprämien werden individuell verhandelt und hängen von Belegschaftsgröße, Altersstruktur, Schadenverlauf und Leistungsumfang ab; sie werden regelmäßig neu vereinbart. Privatpersonen zahlen ohnehin andere Prämien, und beim Neuabschluss gelten in Georgien üblicherweise Altersgrenzen zwischen 65 und 70 Jahren. Die genannten Werte taugen als Größenordnung, nicht als Angebot.
Ist eine georgische Police mit einer deutschen Vollversicherung vergleichbar?
Nein, und das ist der wichtigste Punkt. Die georgische Police arbeitet mit Jahreshöchstsummen statt unbegrenzter Leistung — im Tarif Comfort etwa 10.000 Lari für geplante stationäre Behandlung, rund 3.300 Euro. Sie verlangt prozentuale Selbstbehalte, eine Wartezeit von zehn Monaten auf geplante Leistungen und bindet an Vertragskliniken. Ausgeschlossen sind unter anderem psychische und Verhaltensstörungen vollständig (ICD-10 F00 bis F99), angeborene und genetische Erkrankungen, Rehabilitation, Palliativmedizin, Transplantationen sowie Hör- und Sehhilfen. Wer das gegen einen GKV-Beitrag rechnet, vergleicht zwei verschiedene Produkte.
Wie steht Österreich im Vergleich da?
Beim Beitrag deutlich besser, beim Ergebnis kaum. Der Krankenversicherungssatz nach ASVG liegt 2026 bei 7,65 Prozent gegenüber 17,5 Prozent in Deutschland; der monatliche Höchstbeitrag beträgt 530,14 gegenüber 1.017,19 Euro. Das ist aber vor allem eine andere Verbuchung — Österreich finanziert mehr über Steuern und interne Querzuschläge, etwa einen Hebesatz von 178 Prozent, den der Pensionsversicherungsträger auf die Beiträge der Pensionisten aufschlägt. Gespart wird ebenfalls: Der Krankenversicherungsbeitrag der Pensionisten stieg zum 1. Juni 2025 von 5,1 auf 6,0 Prozent. Die Gesundheitsausgaben liegen bei 11,7 Prozent des BIP und 4.663 Euro je Person — Platz 2 in der EU —, während der Vorsprung bei der Lebenserwartung von 0,8 Jahren (2018) auf 0,1 Jahre (2023) geschmolzen ist.
Für wen lohnt sich der Wechsel finanziell überhaupt?
Für niemanden, der ihn allein über den Beitrag begründet. Der Preisunterschied ist real, aber er misst nicht dieselbe Leistung. Sinnvoll wird die georgische Absicherung dort, wo ohnehin ein Wohnsitzwechsel ansteht — dann ersetzt sie kein deutsches System, sondern schließt eine Lücke, denn zwischen Deutschland und Georgien besteht kein Abkommen über soziale Sicherheit. Wer den Wegzug jenseits der Mitte vierzig plant, sollte zuvor § 6 Absatz 3a SGB V prüfen: Ab 55 ist die Rückkehr in die gesetzliche Kasse regelmäßig versperrt.
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und stellt keine Rechts-, Steuer- oder Versicherungsberatung dar. Beitragssätze, Beitragsbemessungsgrenze und Pflegeversicherungssätze 2026 folgen den Rechengrößen der Sozialversicherung und den Angaben des Bundesministeriums für Gesundheit; der Höchstbeitrag ist daraus errechnet. Die Angaben zum GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz folgen dem Gesetzgebungsverfahren (Kabinettsbeschluss 29. April 2026, Beschluss des Bundestages am 10. Juli 2026 in der Fassung der Beschlussempfehlung des Gesundheitsausschusses — Regierungsentwurf Bundestagsdrucksache 21/6130, Beschlussempfehlung Bundestagsdrucksache 21/7016). Die Finanzentwicklung der GKV 2025 folgt den Quartalsmeldungen des Bundesministeriums für Gesundheit. Die österreichischen Beitragssätze und Beitragsgrundlagen folgen den Sozialversicherungswerten 2026 des Dachverbandes der Sozialversicherungsträger, die Anhebung des Pensionisten-Beitrags dem zweiten Budgetsanierungsmaßnahmengesetz; Gesundheitsausgaben, Wahlarztdaten, Kassenstellen und Wartezeiten-Monitoring folgen Statistik Austria und den Berichten des österreichischen Rechnungshofs. Die Angaben zur Kassenärztlichen Bundesvereinigung beziehen sich auf deren Stellungnahme vom 11. Mai 2026 zum Kabinettsentwurf. Die Angaben zu den Verius-Fonds folgen der Bundestagsdrucksache 21/7556 vom 12. August 2026 sowie der zugrunde liegenden Recherche von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung vom 17. Juli 2026; die weitergehenden Zahlen aus der Folgerecherche im August 2026 sind amtlich nicht bestätigt. Die PKV-Beitragsanpassungen folgen den Angaben des Verbandes der Privaten Krankenversicherung. Prämien, Limits und Ausschlüsse des georgischen Tarifs stammen aus dem Vertragswerk der International Insurance Company IRAO in der uns vorliegenden Fassung und gelten für einen Gruppenvertrag. Die Prämienangaben sind gerundete Größenordnungen und keine Listenpreise: Gruppenprämien werden individuell verhandelt, hängen von Belegschaft, Altersstruktur, Schadenverlauf und Leistungsumfang ab und ändern sich mit jeder Vertragserneuerung. Einzeltarife, Altersgrenzen und Annahmerichtlinien weichen davon ab. Beteiligungsverhältnisse und Marktanteil der Vienna Insurance Group folgen deren Konzerngeschäftsbericht 2025; Marktstruktur und Policenzahlen der Marktstatistik der Insurance State Supervision Service of Georgia für den Zeitraum 1. Januar bis 31. Dezember 2025. Angaben zu Altersgrenzen georgischer Versicherer beruhen auf Marktbeobachtung und ersetzen keine Annahmeentscheidung des jeweiligen Versicherers. Umrechnungen erfolgen zu dem NBG-Kurs vom 19. August 2026 von 3,0265 GEL je Euro. Stand: August 2026, Änderungen der Rechtslage vorbehalten.