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Sparen angekündigt, Abgaben beschlossen

Deutschland plant für 2027 eine Nettokreditaufnahme von 110,8 Mrd. € und führt Plastik-, Zucker- und Tabakabgaben ein. Österreich spart 5,1 Mrd. — der Fiskalrat sieht eine Umsetzungslücke.

Säulen, die eine gestrichelte Ziellinie mit jedem Jahr deutlicher verfehlen

Beide Regierungen haben im Frühjahr 2026 Konsolidierung angekündigt, und beide meinen damit etwas anderes als weniger ausgeben. In Deutschland stehen neben dem Satz vom schlankeren Staat drei neue Verbrauchsabgaben; in Österreich besteht die Hälfte des Sparpakets aus Offensivmaßnahmen, und der Fiskalrat beziffert die Lücke zwischen Ziel und Maßnahme. Dieser Beitrag legt die beschlossenen Zahlen nebeneinander und trennt, was feststeht, von dem, was angekündigt ist.

110,8 Mrd. € Nettokreditaufnahme im Bund 2027 Eckwertebeschluss des Bundeskabinetts vom 29. April 2026, Kernhaushalt
3 neue oder erhöhte Verbrauchsabgaben Plastikabgabe, Zuckerabgabe, Erhöhung der Tabaksteuer — Mitteilung des BMF
1,2 Mrd. € Umsetzungslücke Österreich 2027 Fiskalrat — steigend auf 2,0 Mrd. 2028 und 2,8 Mrd. 2029

Was in Deutschland beschlossen ist

Das Bundeskabinett hat am 29. April 2026 die Eckwerte für den Bundeshaushalt 2027 beschlossen. Die Zahlen sind öffentlich und eindeutig:

Position Betrag 2027
Ausgaben des Bundes 543,3 Mrd. €
Nettokreditaufnahme (Kernhaushalt) 110,8 Mrd. €
Investitionsmittel 118,5 Mrd. €
Verteidigungsetat rund 106 Mrd. €

Die Investitionsmittel stammen dabei nicht allein aus dem Kernhaushalt, sondern aus Kernhaushalt, Klima- und Transformationsfonds und dem Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität zusammen. Das ist beim Vergleich mit früheren Jahren zu beachten.

Begleitet wird der Beschluss von der Formel, der Staat müsse schlanker und effizienter werden. Im selben Zusammenhang nennt das Bundesfinanzministerium drei Einnahmemaßnahmen wörtlich: eine Plastikabgabe, eine Zuckerabgabe und eine Erhöhung der Tabaksteuer.

Das ist der bemerkenswerte Teil — nicht die Höhe dieser Abgaben, sondern ihre Art. Es sind Verbrauchsabgaben. Sie knüpfen nicht an Einkommen an, sondern an Konsum, sie erscheinen in keiner Spitzensteuersatz-Debatte und in keiner Statistik über die Einkommensbelastung. Wer die Abgabenlast über den Einkommensteuertarif misst, misst sie hier nicht mit. Was auf der Einkommensseite parallel läuft — neue Tarifstufe von 47 Prozent, abgesenkte Reichensteuerschwelle, Beitragszuschlag in der Krankenversicherung ab 2028 — steht in Steuerreform 2026.

Was in Österreich beschlossen ist

Das Doppelbudget 2027/28 wurde am 28. April 2026 vorgestellt, mit einem erklärten Volumen von 5,1 Milliarden Euro und dem Ziel, das EU-Defizitverfahren im Jahr 2028 zu verlassen. Das Verfahren gegen Österreich läuft seit Juli 2025.

Die Zusammensetzung dieses Volumens ist der entscheidende Punkt. Nach Darstellung des Bundeskanzleramts entfallen 2,55 Milliarden Euro auf Konsolidierung und 2,55 Milliarden Euro auf Offensivmaßnahmen — also auf zusätzliche Ausgaben. Von einem Sparpaket in Höhe von 5,1 Milliarden Euro ist demnach die Hälfte kein Sparen.

Zur Einordnung derselben Quelle: Die Pensionserhöhungen 2027 sind mit 2,4 Milliarden Euro angesetzt. Ein einzelner Ausgabenposten erreicht damit nahezu den gesamten Konsolidierungsanteil des Pakets. Warum das österreichische Pensionssystem strukturell unter Druck steht, steht in Pension Österreich: 86,8 % Ersatzrate.

Was der Fiskalrat dazu sagt

Der Fiskalrat ist das unabhängige Kontrollgremium der österreichischen Haushaltspolitik, und seine Analyse ist der Grund, warum dieser Beitrag existiert.

Die Regierung plant, das Maastricht-Defizit von 4,2 Prozent des BIP (2025 und 2026) auf 3,5 Prozent im Jahr 2027 und unter 3,0 Prozent im Jahr 2028 zu senken. Das Büro des Fiskalrats erwartet für 2027 dagegen 4,1 Prozent — eine Differenz von 0,6 Prozentpunkten gegenüber dem Regierungsziel.

Zentraler ist der Begriff, den der Fiskalrat dafür verwendet: die Umsetzungslücke. Damit bezeichnet er die Differenz zwischen den beschlossenen Konsolidierungszielen und den Maßnahmen, mit denen sie konkret hinterlegt sind. Sie beträgt:

Jahr Umsetzungslücke
2027 1,2 Mrd. €
2028 2,0 Mrd. €
2029 2,8 Mrd. €

Die Lücke wird also nicht kleiner, sondern größer. Auf Basis der Herbstprognose des Fiskalrats wären für die Einhaltung des Defizitverfahrens zusätzliche Konsolidierungsmaßnahmen von 8,9 Milliarden Euro erforderlich.

Zwei Haushalte, dieselbe Struktur: das Ziel ist beschlossen, der Weg dorthin nur teilweise.
Deutschland Österreich
Beschluss beide Regierungen entschieden binnen zweier Tage Eckwerte am 29.04.2026 Doppelbudget am 28.04.2026
Erklärtes Ziel Österreich steht seit Juli 2025 im EU-Verfahren schlankerer, effizienterer Staat Defizitverfahren 2028 verlassen
Neuverschuldung 2027 Fiskalrat erwartet für Österreich 4,1 % 110,8 Mrd. € Nettokreditaufnahme Maastricht-Defizit 3,5 % geplant
Einnahmeseite in beiden Fällen Abgaben statt Ausgabenkürzung Plastik-, Zucker-, Tabakabgabe Bankenabgabe verlängert
Unabhängige Bewertung Fiskalrat, Analyse der öffentlichen Finanzen Umsetzungslücke 1,2 bis 2,8 Mrd. €

Was auf der anderen Seite steht

Ein Vorbehalt zuerst, weil er hier wichtiger ist als sonst: Verbrauchsabgaben und Sozialbeiträge lassen sich nicht durch eine Auslandsgesellschaft umgehen. Sie knüpfen an Konsum und Beschäftigung im Inland an. Wer in Deutschland oder Österreich ansässig bleibt, zahlt sie unabhängig davon, wo eine Gesellschaft registriert ist. Wer etwas anderes verspricht, verkauft ein Risiko — Georgische Firma, deutsche Behörden beschreibt, woran solche Konstruktionen scheitern.

Was sich verändern lässt, ist die Ansässigkeit selbst. Georgien besteuert Einzelunternehmer im Small Business Status mit 1 Prozent auf den Umsatz bis 500.000 GEL und Gesellschaften nach dem estnischen Modell erst bei Ausschüttung. Die Grundlagen stehen in Georgien: 1 % Steuer und Steuerresidenz Georgien.

Und der Vollständigkeit halber: Der Wechsel ist nicht kostenlos. Die Wegzugsbesteuerung nach § 6 AStG fällt im Herkunftsstaat an, in Österreich bei Drittstaaten sofort — dazu Nicht das Bleiben wird günstiger. Wer über 55 ist, sollte zusätzlich die Rückkehrsperre in der Krankenversicherung kennen: Raus aus der Kasse ist einfach.

Was daraus folgt

Für die eigene Planung sind zwei Unterscheidungen entscheidend, und beide werden in der öffentlichen Debatte selten sauber gezogen.

Beschlossen ist nicht dasselbe wie angekündigt. Die Eckwerte 2027 sind ein Kabinettsbeschluss; der Haushalt selbst wird im parlamentarischen Verfahren beschlossen und kann sich ändern. Die drei Verbrauchsabgaben sind angekündigt, nicht in Kraft. Die österreichischen Konsolidierungsziele stehen fest, die Maßnahmen dafür in Höhe von 1,2 bis 2,8 Milliarden Euro jährlich noch nicht.

Ziel ist nicht dasselbe wie Maßnahme. Genau das misst die Umsetzungslücke. Eine Lücke, die von 1,2 auf 2,8 Milliarden Euro wächst, wird am Ende auf einem von zwei Wegen geschlossen: durch Ausgabenkürzungen, die bislang niemand benannt hat, oder durch weitere Einnahmen. Für die Planung eines eigenen Standorts ist die zweite Möglichkeit die realistischere Annahme.

Wie sich Kosten und Gegenleistung insgesamt verhalten, steht in Staatsquote 50,3 %; die österreichische Gesamtbilanz in Auswandern aus Österreich.

Häufige Fragen

Wie hoch ist die Neuverschuldung im Bundeshaushalt 2027?

Die Eckwerte, die das Bundeskabinett am 29. April 2026 beschlossen hat, sehen Ausgaben von 543,3 Milliarden Euro und eine Nettokreditaufnahme von 110,8 Milliarden Euro im Kernhaushalt vor. Für Investitionen stehen 2027 aus Kernhaushalt, Klima- und Transformationsfonds sowie dem Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität zusammen 118,5 Milliarden Euro bereit. Der Verteidigungsetat steigt auf rund 106 Milliarden Euro.

Welche neuen Abgaben sind angekündigt?

Das Bundesfinanzministerium nennt in seiner Mitteilung vom 29. April 2026 drei Maßnahmen wörtlich: eine Plastikabgabe, eine Zuckerabgabe und eine Erhöhung der Tabaksteuer. Es handelt sich um Verbrauchsabgaben, die unabhängig vom Einkommen anfallen und in der Einkommensteuerstatistik nicht auftauchen.

Was ist die Umsetzungslücke in Österreich?

So bezeichnet der Fiskalrat die Differenz zwischen den beschlossenen Konsolidierungszielen und den dafür konkret hinterlegten Maßnahmen. Sie beträgt nach seiner Analyse 1,2 Milliarden Euro im Jahr 2027, 2,0 Milliarden 2028 und 2,8 Milliarden 2029. Das Ziel steht also fest, der Weg dorthin ist in diesem Umfang noch nicht mit Maßnahmen unterlegt.

Erreicht Österreich das Ende des Defizitverfahrens 2028?

Die Bundesregierung hat das als Ziel ausgegeben und will das Maastricht-Defizit von 4,2 Prozent des BIP im Jahr 2026 auf 3,5 Prozent 2027 und unter 3,0 Prozent 2028 senken. Das Büro des Fiskalrats erwartet für 2027 dagegen 4,1 Prozent. Auf Basis seiner Herbstprognose wären für die Einhaltung des Verfahrens zusätzliche Konsolidierungsmaßnahmen von 8,9 Milliarden Euro erforderlich.

Ist das Sparpaket in Österreich wirklich ein Sparpaket?

Nur zur Hälfte. Nach Darstellung des Bundeskanzleramts umfasst das Doppelbudget 2027/28 ein Volumen von 5,1 Milliarden Euro, von dem 2,55 Milliarden auf Konsolidierung und 2,55 Milliarden auf Offensivmaßnahmen entfallen. Zum Vergleich: allein die Pensionserhöhungen 2027 sind mit 2,4 Milliarden Euro angesetzt.

Was heißt das für ortsunabhängige Unternehmer?

Verbrauchsabgaben und Sozialbeiträge knüpfen an Konsum und Beschäftigung im Inland an, nicht an die Rechtsform einer Auslandsstruktur. Wer weiterhin in Deutschland oder Österreich ansässig ist, wird davon erfasst, unabhängig davon, wo eine Gesellschaft registriert ist. Erst die vollständige Verlagerung der Ansässigkeit ändert die Ausgangslage — und die hat eigene Kosten, insbesondere die Wegzugsbesteuerung.

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und stellt keine Rechts- oder Steuerberatung dar. Die deutschen Haushaltszahlen stammen aus dem Eckwertebeschluss des Bundeskabinetts vom 29. April 2026 sowie der zugehörigen Mitteilung des Bundesministeriums der Finanzen; die drei genannten Abgaben sind dort angekündigt und zum Redaktionsschluss nicht in Kraft. Die österreichischen Angaben folgen der Darstellung des Bundeskanzleramts zum Doppelbudget 2027/28 vom 28. April 2026 sowie den Analysen des Fiskalrats zu den öffentlichen Finanzen. Haushaltseckwerte sind Planungsgrößen und werden im parlamentarischen Verfahren verändert. Stand: August 2026, Änderungen vorbehalten.