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Sanierungsstau: 231,2 Mrd. — und 0 Euro für die Kommunen

231,2 Mrd. Euro Investitionsrückstand, 60,1 Prozent Pünktlichkeit im Fernverkehr — und aus dem Sondervermögen floss 2025 kein Euro an die Kommunen.

Eine Brücke, deren mittleres Feld eine Lücke aufweist

Infrastruktur ist die Gegenleistung, die sich am schwersten wegdiskutieren lässt: Eine gesperrte Brücke ist gesperrt, ein verspäteter Zug ist verspätet, ein fehlender Glasfaseranschluss fehlt. Für 2025 und 2026 liegen die Zahlen vollständig vor — aus der Brückenstatistik der Bundesanstalt für Straßenwesen, dem Geschäftsbericht der Deutschen Bahn, dem KfW-Kommunalpanel, Berichten des Bundesrechnungshofs und dem EU-Länderbericht zur Digitalen Dekade. Sie zeigen kein einheitliches Bild, aber ein klares Muster: Wo Geld bereitsteht, fehlt die Umsetzung.

231,2 Mrd. € kommunaler Investitionsrückstand neuer Höchstwert, plus 7,2 % — davon 68,9 Mrd. Euro allein bei Schulen
60,1 % Pünktlichkeit DB-Fernverkehr 2025 die eigene Prognose lautete 65 bis 70 Prozent
0,00 € aus dem Sondervermögen an Kommunen im Haushaltsjahr 2025 — bei einem Soll von 8,33 Mrd. Euro

Brücken: das Programm läuft, die Kriterien nicht

Bei den Brücken der Bundesautobahnen entfallen 11,2 Prozent der Brückenfläche — knapp 2,38 Millionen Quadratmeter — auf Teilbauwerke mit der Zustandsnote 3,0 oder schlechter, also „nicht ausreichend“ bis „ungenügend“. Nach Anzahl der Teilbauwerke sind es 4,9 Prozent.

Das Brückenmodernisierungsnetz umfasst rund 4.000 besonders dringliche Teilbauwerke mit etwa 3,2 Millionen Quadratmetern, die zwischen 2022 und 2032 saniert werden sollen. Rechnerisch entspricht das einer Jahresscheibe von rund 400 Teilbauwerken beziehungsweise 320.000 Quadratmetern.

Jahr Modernisierte Teilbauwerke Fläche
2021 124 93.000 m²
2022 213 245.000 m²
2023 210 318.000 m²
2024 212 395.000 m²
2025 (Prognose) rund 170 rund 200.000 m²

Der Einbruch 2025 wird von der Autobahn GmbH mit den Einschränkungen durch die vorläufige Haushaltsführung begründet.

Der Bundesrechnungshof hat allerdings einen Befund erhoben, der die gemeldeten Zahlen relativiert: Von den 2022 und 2023 fertiggestellten Teilbauwerken erfüllten über 50 Prozent die Auswahlkriterien des Programms nicht, 2024 waren es über 75 Prozent — nur weniger als ein Viertel entsprach den Kriterien. Die erforderliche Jahresleistung ist dadurch auf rund 590 Teilbauwerke ab 2025 gestiegen, also auf etwa das Dreieinhalbfache dessen, was für 2025 erwartet wird.

Wie sich das im Alltag auswirkt, zeigt eine andere Zahl: Für erlaubnis- und genehmigungspflichtige Großraum- und Schwertransporte sind derzeit 148 Teilbauwerke an Autobahnen und 176 an Bundesstraßen gesperrt; hinzu kommen 331 beziehungsweise 163 Teilbauwerke über oder an diesen Straßen.

Schiene: der Zustand verbessert sich, die Pünktlichkeit nicht

Die betriebliche Pünktlichkeit im DB-Fernverkehr sank 2025 auf 60,1 Prozent nach 62,5 Prozent im Vorjahr — die eigene Prognose lautete 65 bis 70 Prozent. Bei DB Regio (Schiene) fiel sie auf 89,2 Prozent, bei DB Cargo Deutschland auf 67,7 Prozent. Im Schienenpersonenverkehr gilt eine Ankunft als pünktlich bei einer Abweichung unter sechs Minuten; im Güterverkehr liegt die Schwelle bei unter 16 Minuten.

Die infrastrukturbedingten Verspätungen stiegen um 13,9 Prozent auf 6.831 Lost Units pro Tag bei einem Zielwert von 5.640.

Beim Sanierungsprogramm selbst meldet der Bundesrechnungshof grundsätzliche Zweifel an. Bis 2030 sollen 4.000 von 33.400 Streckenkilometern in 41 Generalsanierungen von Hochleistungskorridoren erneuert werden; die DB kalkulierte dafür anfänglich 27 Milliarden Euro. Notwendigkeit und Wirtschaftlichkeit des Konzepts hält der Bundesrechnungshof für nicht sachgerecht nachgewiesen.

Das Pilotprojekt liefert dafür das Anschauungsmaterial. Die Kosten der Generalsanierung Riedbahn — 70 Kilometer zwischen Frankfurt am Main und Mannheim — stiegen von ursprünglich 500 Millionen Euro (September 2022) über 631 Millionen, 1,1 und 1,3 Milliarden auf zuletzt 1,5 Milliarden Euro. Der vom Gutachter testierte Nutzenvorteil der Generalsanierung gegenüber der Alternative beträgt 17 Millionen Euro — gemessen an den zuletzt veranschlagten Gesamtkosten rund ein Prozent.

Netz: vorletzter Platz, aber die schnellste Aufholjagd

Deutschlands Glasfaserabdeckung bis ins Gebäude erreichte 2025 43,98 Prozent der Haushalte gegenüber einem EU-Durchschnitt von 74,13 Prozent — der vorletzte Platz in der EU.

Dahinter steckt ein zweites Problem, das seltener genannt wird: Von 27,1 Millionen glasfaserseitig erschlossenen Anschlusspunkten waren Ende 2025 nur 6,4 Millionen tatsächlich aktiv. Die Anschlussquote liegt bei rund 24 Prozent und bleibt seit Jahren auf diesem Niveau. Gemessen an allen 38,8 Millionen aktiven Festnetz-Breitbandanschlüssen beträgt der Glasfaseranteil 17 Prozent. Es wird also gebaut und nicht angeschlossen.

Beim Mobilfunk sind rund 2 Prozent der Fläche Deutschlands — etwa 7.500 Quadratkilometer und damit etwa die halbe Fläche Schleswig-Holsteins — weiße Flecken ohne jede 4G- oder 5G-Versorgung. Über 100 dieser Funklöcher sind größer als zehn Quadratkilometer und machen zusammen ein Drittel der unversorgten Fläche aus.

Kommunen: der Rückstand wächst, die Investitionen sinken

Der wahrgenommene Investitionsrückstand der Kommunen stieg auf 231,2 Milliarden Euro — ein Plus von 15,5 Milliarden beziehungsweise 7,2 Prozent. Befragt wurden im ersten Quartal 2026 rund 2.900 Kommunen, 1.074 haben geantwortet.

Bereich Rückstand Anteil
Schulen 68,9 Mrd. € 29,8 %
Straßen 53,7 Mrd. € 23,2 %
Brand- und Katastrophenschutz 23,2 Mrd. €
Verwaltungsgebäude 22,2 Mrd. €
Sportstätten 21,6 Mrd. €

79 Prozent der Kommunen mit mehr als 2.000 Einwohnern melden einen mindestens nennenswerten Rückstand, 13 Prozent einen gravierenden. Bei Straßen und Verkehrsinfrastruktur sind es 84 beziehungsweise 28 Prozent — der höchste Wert aller Bereiche.

Entscheidend ist, was daraus folgt: Die Kommunen realisierten 2025 Sachinvestitionen von 29,3 Milliarden Euro33 Prozent weniger als die geplanten 43,8 Milliarden. Preisbereinigt sanken die kommunalen Investitionen gegenüber 2024 real um 6 Prozent und seit 2018 um 17 Prozent. Das kommunale Finanzierungsdefizit erreichte mit 29,4 Milliarden Euro das zweite Rekordjahr in Folge.

Zur Finanzlage: 44 Prozent der Kommunen bewerten ihre Situation im Haushaltsjahr 2025 als mangelhaft, weitere 25 Prozent als nur ausreichend. Bei Kommunen über 50.000 Einwohnern liegt der Anteil „mangelhaft“ bei 73 Prozent. 80 Prozent erwarten für 2026 eine Verschlechterung, bis 2030 neun von zehn.

Das Sondervermögen, das nicht ankam

Die Zahl, die diesen Abschnitt zusammenfasst, steht in einer Soll-Ist-Übersicht des Bundesfinanzministeriums. Aus dem Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität flossen 2025 statt der geplanten 37,25 Milliarden Euro nur 23,99 Milliarden ab:

  • Bundessäule: 13,99 Mrd. € (Soll 18,91 Mrd. €)
  • Klima- und Transformationsfonds: 10,00 Mrd. € (ohne gesondert ausgewiesenes Soll, weshalb sich die Einzelposten nicht auf das Gesamt-Soll addieren)
  • Länder und Kommunen: 0,00 € — bei einem Soll von 8,33 Mrd. €

Die Verwaltungsvereinbarung mit den Ländern wurde erst am 11. Dezember 2025 unterzeichnet. Während der Investitionsrückstand um 15,5 Milliarden Euro wuchs, erreichte die dafür vorgesehene Sondertranche die Kommunen im selben Jahr zu null Prozent.

Was auf der anderen Seite steht

Für Unternehmer ist Infrastruktur kein abstraktes Thema, sondern ein Kostenfaktor: Fahrzeiten, Lieferzuverlässigkeit, Anbindung, Erreichbarkeit von Mitarbeitenden. Wer dafür eine Staatsquote von 50,3 Prozent und einen Abgabenkeil von 49,3 Prozent finanziert, stellt irgendwann die Frage nach dem Gegenwert.

Für ortsunabhängige Geschäftsmodelle ist die Antwort einfacher als für ortsgebundene: Softwareentwicklung, Beratung, Agenturarbeit und E-Commerce brauchen eine belastbare Netzanbindung und wenig sonst. Genau deshalb fällt die Standortrechnung hier anders aus — mit 1 Prozent auf den Umsatz im georgischen Small Business Status bis 500.000 GEL statt einer Abgabenlast, die einen Investitionsrückstand von 231,2 Milliarden Euro nicht verhindert hat.

Für ortsgebundene Betriebe gilt das ausdrücklich nicht. Wer Produktion, Logistik oder Filialen in Deutschland betreibt, löst dieses Problem nicht durch einen Standortwechsel.

Was daraus folgt

Das Muster ist über alle vier Bereiche hinweg dasselbe: Es fehlt weniger an Mitteln als an Umsetzung. Das Sondervermögen floss zu null Euro an die Kommunen, das Brückenprogramm meldet Zahlen, die zu drei Vierteln nicht den eigenen Kriterien entsprechen, die Generalsanierung kostet das Dreifache bei einem testierten Nutzenvorteil von 1,5 Prozent, und Glasfaser wird gebaut, aber nicht angeschlossen.

Wie sich Kosten und Gegenleistung insgesamt verhalten, steht in Staatsquote 50,3 %; die vollständige Standortbilanz in Deutschland zerfällt leise. Welche Prioritäten derselbe Haushalt an anderer Stelle setzt, zeigt Entwicklungshilfe Deutschland.

Österreich löst dieselbe Aufgabe messbar besser — und finanziert sie anders. Der Vergleich steht in Infrastruktur Österreich.

Häufige Fragen

FAQ

Wie marode sind die Brücken in Deutschland?

Bei den Brücken der Bundesautobahnen entfallen 11,2 Prozent der Brückenfläche — rund 2,38 Millionen Quadratmeter — auf Teilbauwerke mit der Zustandsnote 3,0 oder schlechter, also nicht ausreichend bis ungenügend; nach Anzahl der Teilbauwerke sind es 4,9 Prozent. Für Großraum- und Schwertransporte sind 148 Teilbauwerke an Autobahnen und 176 an Bundesstraßen gesperrt.

Kommt die Brückensanierung voran?

Langsamer als geplant. Das Brückenmodernisierungsnetz umfasst rund 4.000 Teilbauwerke bis 2032, was einer Jahresscheibe von etwa 400 entspricht. Tatsächlich wurden 2022 bis 2024 jeweils rund 210 modernisiert, für 2025 erwartet die Autobahn GmbH nur rund 170. Der Bundesrechnungshof stellte zudem fest, dass von den 2022 und 2023 gemeldeten Fertigstellungen über 50 Prozent die Auswahlkriterien des Programms nicht erfüllten, 2024 sogar über 75 Prozent. Die erforderliche Jahresleistung ist dadurch auf rund 590 Teilbauwerke gestiegen.

Wie pünktlich ist die Deutsche Bahn?

Die betriebliche Pünktlichkeit im Fernverkehr sank 2025 auf 60,1 Prozent nach 62,5 Prozent im Vorjahr und verfehlte damit die eigene Prognose von 65 bis 70 Prozent. Bei DB Regio (Schiene) lag sie bei 89,2 Prozent, bei DB Cargo Deutschland bei 67,7 Prozent. Die infrastrukturbedingten Verspätungen stiegen um 13,9 Prozent auf 6.831 Lost Units pro Tag bei einem Zielwert von 5.640.

Wie steht Deutschland beim Glasfaserausbau da?

Auf dem vorletzten Platz in der EU. Die Abdeckung mit Glasfaser bis ins Gebäude erreichte 2025 43,98 Prozent der Haushalte gegenüber 74,13 Prozent im EU-Durchschnitt. Auffällig ist die niedrige Anschlussquote: Von 27,1 Millionen erschlossenen Anschlusspunkten waren Ende 2025 nur 6,4 Millionen aktiv, also rund 24 Prozent. Das Wachstumstempo ist allerdings hoch — plus 19,6 Prozent pro Jahr gegenüber 7,1 Prozent in der EU.

Wie hoch ist der Investitionsrückstand der Kommunen?

Er stieg im KfW-Kommunalpanel 2026 auf 231,2 Milliarden Euro, ein Plus von 15,5 Milliarden beziehungsweise 7,2 Prozent. Die größten Posten sind Schulen mit 68,9 Milliarden Euro (29,8 Prozent) und Straßen mit 53,7 Milliarden (23,2 Prozent). Gleichzeitig sanken die realisierten Sachinvestitionen 2025 auf 29,3 Milliarden Euro — 33 Prozent unter den geplanten 43,8 Milliarden — und das Finanzierungsdefizit erreichte mit 29,4 Milliarden Euro das zweite Rekordjahr in Folge.

Was ist mit dem Infrastruktur-Sondervermögen passiert?

Aus dem Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität flossen 2025 statt der geplanten 37,25 Milliarden Euro nur 23,99 Milliarden ab — 13,99 Milliarden in der Bundessäule bei einem Soll von 18,91 Milliarden und 10,00 Milliarden an den Klima- und Transformationsfonds. An Länder und Kommunen flossen 0,00 Euro bei einem Soll von 8,33 Milliarden Euro; die Verwaltungsvereinbarung mit den Ländern wurde erst am 11. Dezember 2025 unterzeichnet.

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und stellt keine Rechts- oder Steuerberatung dar. Die Kennzahlen stammen von der Bundesanstalt für Straßenwesen (Brückenstatistik, Stand 1. März 2026), aus BT-Drucksache 21/2449 vom 29. Oktober 2025 (Brückenmodernisierungsnetz, Sperrungen, Jahresleistungen der Autobahn GmbH), vom Bundesrechnungshof (Bericht nach § 99 BHO zur Brückenmodernisierung vom 29. April 2025; Bericht zur Generalsanierung von Hochleistungskorridoren und zur Riedbahn vom 11. Juni 2025), von der Deutschen Bahn AG (Geschäftsbericht 2025), der Bundesnetzagentur (Jahresbericht Telekommunikation 2025), der Europäischen Kommission (2026 Digital Decade Country Report Germany), dem Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung (Mobilfunk-Monitoring), von KfW Research und dem Difu (KfW-Kommunalpanel 2026) sowie vom Bundesministerium der Finanzen (Soll-Ist-Übersicht zum Mittelabfluss des Sondervermögens 2025). Stand: August 2026, Änderungen der Datenlage vorbehalten.