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26 Mrd. Entwicklungshilfe: 7,8 % für die ärmsten Länder

26 Mrd. Euro ODA, davon nur 39 % aus dem BMZ-Etat und knapp 17 % für Flüchtlingskosten im Inland. Alle zehn größten Empfänger sind Länder mittleren Einkommens.

Ein Strom aus Mitteln verlässt eine schrumpfende inländische Grundlage nach außen

Über kaum einen Haushaltsposten wird so ungenau gestritten wie über die Entwicklungshilfe. Die verbreitete Erzählung — Deutschland zahle immer mehr ins Ausland, während im Inland nichts ankomme — hält der Prüfung nicht stand: Der Entwicklungsetat gehört zu den am stärksten gekürzten Einzelplänen. Was der Prüfung standhält, ist unangenehmer und präziser. Es geht um die Zusammensetzung, um die Empfänger und um die Frage, wie viel von einem gekürzten Etat überhaupt noch disponibel ist. Hier sind die amtlichen Zahlen.

26 Mrd. € Deutsche ODA-Leistungen 2025 0,56 % des Bruttonationaleinkommens — zweites Jahr in Folge unter dem 0,7-%-Ziel
7,8 % Anteil für die ärmsten Länder alle zehn größten Empfänger sind Länder mittleren Einkommens
81 % der Mittel 2026 vorab gebunden Bundesrechnungshof — offene Verpflichtungen bis zu 38,8 Mrd. Euro

Was tatsächlich gezahlt wird

Deutschland erbrachte 2025 nach vorläufiger Berechnung öffentliche Entwicklungsleistungen von rund 26 Milliarden Euro — genauer 25,79 Milliarden. Das entspricht 0,56 Prozent des Bruttonationaleinkommens. Zwei Jahre zuvor waren es noch 0,82 Prozent, 2024 dann 0,68 Prozent. Das international vereinbarte 0,7-Prozent-Ziel wurde damit das zweite Jahr in Folge verfehlt.

Der Etat des Entwicklungsministeriums — Einzelplan 23 — folgt demselben Pfad:

Haushaltsjahr Einzelplan 23 (Soll)
2022 12,3 Mrd. €
2023 12,2 Mrd. €
2024 11,2 Mrd. €
2025 10,3 Mrd. €
2026 10,06 Mrd. € — 1,92 % des Bundeshaushalts
2027 (Finanzplan) 9,5 Mrd. €
2028 / 2029 (Finanzplan) je 9,3 Mrd. €

Wer heute fordert, die Entwicklungshilfe zu kürzen, fordert die Fortsetzung eines Kürzungspfads, der seit vier Jahren läuft.

Wovon hier eigentlich die Rede ist

Der interessantere Befund steckt nicht in der Summe, sondern in ihrer Zusammensetzung. Von den als deutsche Entwicklungshilfe gemeldeten Leistungen stammen 2025 nur 39 Prozent — rund 10,10 Milliarden Euro — aus dem BMZ-Etat. Der Rest verteilt sich:

Position Anteil 2025 Betrag
BMZ-Etat 39 % rund 10,10 Mrd. €
Flüchtlingskosten im Inland knapp 17 % rund 4,3 Mrd. €
EU-Beitrag 15 % rund 3,9 Mrd. €
Auswärtiges Amt 9 %
Studienplatzkosten der Bundesländer 8,5 % 2,2 Mrd. €
Bundeswirtschaftsministerium 2,3 %

Die aufgeführten Posten decken rund 91 Prozent ab; der Rest verteilt sich auf kleinere Ressorts und Einzelpositionen.

Zwei Posten in dieser Tabelle verlassen Deutschland nie. Die In-Donor-Flüchtlingskosten — Versorgung und Unterbringung im Inland — machen knapp 17 Prozent aus; sie sind gegenüber 2024 immerhin um 1,5 Milliarden Euro gesunken. Die Studienplatzkosten der Bundesländer für Studierende aus Entwicklungsländern schlagen mit weiteren 8,5 Prozent zu Buche. Zusammen ist das rund ein Viertel der ausgewiesenen Entwicklungshilfe, das als Inlandsausgabe anfällt und trotzdem in der ODA-Statistik erscheint.

Der EU-Beitrag von 15 Prozent ist ein Pflichtbeitrag und national nicht disponibel. Was national tatsächlich gestaltbar ist, ist erheblich weniger als die 26 Milliarden, die in der Debatte zirkulieren.

Wer das Geld bekommt

Die zehn größten Empfänger deutscher bilateraler Entwicklungsleistungen waren 2024 — in dieser Reihenfolge — Indien, die Ukraine, Indonesien, Südafrika, Mexiko, Kolumbien, China, Marokko, Peru und Brasilien. Auf sie entfielen 24 Prozent der bilateralen Brutto-ODA. Es handelt sich ausnahmslos um Länder mittleren Einkommens.

Die am wenigsten entwickelten Länder erhielten im selben Jahr 7,8 Prozent beziehungsweise 2,3 Milliarden US-Dollar. Gemessen am Bruttonationaleinkommen sind das 0,09 Prozent — gegenüber einem DAC-Zielwert von 0,15 bis 0,20 Prozent. Das erklärte Ziel, die Ärmsten vorrangig zu erreichen, wird also deutlich verfehlt, während die größten Beträge an Schwellenländer gehen.

Für Indien hat Deutschland im Mai 2022 im Rahmen der Partnerschaft für grüne und nachhaltige Entwicklung mindestens 10 Milliarden Euro zusätzlicher Mittel bis 2030 zugesagt.

Was einzelne Projekte kosten

Es lohnt sich, die kursierenden Zahlen an den amtlichen Angaben zu prüfen — mehrere davon halten nicht:

Vorhaben Belegter deutscher Beitrag Quelle
Radwege in Lima (Peru) 20 Mio. € Zuschuss BMZ-Länderseite Peru
Wasser- und Sanitärversorgung Timbuktu (Mali) 6,5 Mio. € KfW-Projekt 38155
Energieeffizienz öffentliche Gebäude Montenegro 78 Mio. € (Entwicklungskredit) KfW-Projekt 42455
Climate Smart Cities (Indien) 4,76 Mio. € (2018–2024) GIZ-Projektsteckbrief
Klimagerechte Stadtentwicklung (Brasilien) 7,3 Mio. € (2017–2025) GIZ-Projektsteckbrief

Beim Lima-Vorhaben kommen zu den 20 Millionen Euro Zuschuss bis zu 24 Millionen Euro aus einer Zusage von 2022 für weitere Städte sowie rund 155 Millionen Euro rückzahlbare Entwicklungskredite für Bussysteme. Die Stadt Lima trägt 2,2 Millionen Euro selbst bei. Von 114 geplanten Kilometern Radweg sind rund 30 gebaut.

Was der Bundesrechnungshof anmerkt

Zwei Befunde des Bundesrechnungshofs gehören in jede ehrliche Bilanz.

Zur Wirksamkeit. Für die Internationale Klimaschutzinitiative sind 2026 635 Millionen Euro veranschlagt. Von 2008 bis einschließlich 2024 wurden knapp 6,5 Milliarden Euro veranschlagt und 6,2 Milliarden verausgabt, verteilt auf mehr als 1.000 Projekte in über 150 Ländern. Der Bundesrechnungshof stellte 2023 fest, dass die Wirtschaftlichkeit des Programms nicht nachgewiesen war.

Zur Handlungsfähigkeit. Von den Ausgabemitteln des Entwicklungsetats waren 2024 bereits 86 Prozent vorab gebunden, 2025 waren es 85 Prozent, und für 2026 kann die Vorbindung bis zu 81 Prozent betragen. Die offenen Verpflichtungen sind von 22,7 Milliarden Euro Ende 2010 auf bis zu 38,8 Milliarden Euro zum Jahresende 2026 gestiegen. Der Etat wird also gekürzt, während die eingegangenen Verpflichtungen weiterlaufen — mit der Folge, dass die Kürzung kaum dort wirken kann, wo sie politisch gewollt ist.

Was dem im Inland gegenübersteht

Die eigentliche Frage ist keine der Moral, sondern der Prioritäten. Die folgenden Zahlen stammen aus demselben Zeitraum und derselben Kassenlage.

Der wahrgenommene Investitionsrückstand der Kommunen erreichte im ersten Quartal 2026 mit 231,2 Milliarden Euro einen neuen Höchstwert — 15,5 Milliarden mehr als im Vorjahr, ein Plus von 7,2 Prozent. Allein bei Schulen fehlen 68,9 Milliarden Euro, bei Straßen 53,7 Milliarden. Die Kommunen planen für 2026 Investitionen von rund 50 Milliarden Euro; befragt wurden 2.900 Kommunen.

Die Zahl der Menschen in Grundsicherung im Alter erreichte Ende 2025 mit 764.065 einen neuen Höchststand — 25.225 mehr als ein Jahr zuvor, ein Plus von 3,4 Prozent. Zusammen mit den Empfängern wegen Erwerbsminderung sind es 1.283.860 Menschen.

Damit lässt sich die Gegenüberstellung sauber führen, ohne die widerlegbare Behauptung, es gebe kein Geld für die eigene Bevölkerung. Die zutreffende Formulierung ist eine andere: Für die Internationale Klimaschutzinitiative, deren Wirtschaftlichkeit der Bundesrechnungshof nicht bestätigen konnte, sind 2026 635 Millionen Euro eingeplant. Der Sanierungsrückstand allein an deutschen Schulen beträgt 68,9 Milliarden Euro. Beide Zahlen stehen in Haushaltsunterlagen desselben Staates.

Was auf der anderen Seite steht

Für die Zielgruppe dieser Aufstellung — Unternehmerinnen und Unternehmer mit ortsunabhängigem Geschäftsmodell — ist die Frage nicht, wie der Bundeshaushalt umgeschichtet werden sollte. Darauf hat der Einzelne keinen Zugriff. Die Frage ist, welchen Preis man für eine Prioritätensetzung zahlt, die man nicht beeinflussen kann.

Dieser Preis ist bezifferbar: ein Abgabenkeil von 49,3 Prozent für alleinstehende Durchschnittsverdienende — Rang 2 der OECD bei einem Mittel von 35,1 Prozent — und eine Staatsquote von 50,3 Prozent. Dem steht in Georgien der Small Business Status mit 1 Prozent auf den Umsatz bis 500.000 GEL gegenüber, darüber 3 Prozent, und für Kapitalgesellschaften das estnische Modell: 15 Prozent erst bei Ausschüttung, thesaurierte Gewinne steuerfrei.

Das ist keine Empfehlung, sich der Solidarität zu entziehen. Es ist die nüchterne Feststellung, dass die Beitragspflicht bleibt, die Mitsprache über die Verwendung aber gegen null geht — und dass daraus eine Standortfrage wird.

Was daraus folgt

Der Entwicklungsetat wird seit vier Jahren gekürzt und ist bis 2029 auf weiteren Rückgang programmiert. Gleichzeitig sind bis zu 81 Prozent der Mittel vorab gebunden, ein Viertel der ausgewiesenen Leistungen verlässt das Land nie, alle zehn größten Empfänger sind Länder mittleren Einkommens, und die ärmsten Länder erhalten 7,8 Prozent. Das ist kein Ausgabenproblem, sondern ein Steuerungsproblem — und es ist von außen nicht zu beheben.

Wie sich Kosten und Gegenleistung insgesamt zueinander verhalten, steht in Staatsquote 50,3 %. Die vollständige Standortbilanz mit Investitionsstau, Insolvenzen und Bürokratiekosten liefert Deutschland zerfällt leise. Was ab 2027 und 2028 an Belastung hinzukommt, steht in Steuerreform 2026.

Für österreichische Leser gilt eine eigene Rechtslage und eine deutlich andere Größenordnung — nachzulesen in Entwicklungshilfe Österreich.

Häufige Fragen

FAQ

Wie viel Entwicklungshilfe zahlt Deutschland?

Deutschland erbrachte 2025 nach vorläufiger Berechnung öffentliche Entwicklungsleistungen von rund 26 Milliarden Euro, genauer 25,79 Milliarden. Das entspricht 0,56 Prozent des Bruttonationaleinkommens. 2023 waren es noch 0,82 Prozent, 2024 dann 0,68 Prozent. Das 0,7-Prozent-Ziel wurde damit das zweite Jahr in Folge verfehlt. Real sank die deutsche ODA 2025 um 17,4 Prozent.

Steigt die deutsche Entwicklungshilfe?

Nein, sie sinkt seit mehreren Jahren deutlich. Der Etat des Entwicklungsministeriums fiel von 12,3 Milliarden Euro im Jahr 2022 auf 10,06 Milliarden Euro 2026 — das sind 1,92 Prozent des Bundeshaushalts. Der Finanzplan des Bundes sieht 9,5 Milliarden Euro für 2027 und je 9,3 Milliarden für 2028 und 2029 vor. Der Entwicklungsetat gehört damit zu den am stärksten gekürzten Einzelplänen.

Wie viel der deutschen Entwicklungshilfe wird im Inland ausgegeben?

Rund ein Viertel. Knapp 17 Prozent der 2025 gemeldeten Leistungen — etwa 4,3 Milliarden Euro — waren Kosten für Versorgung und Unterbringung von Flüchtlingen in Deutschland selbst. Weitere 8,5 Prozent beziehungsweise 2,2 Milliarden Euro sind Studienplatzkosten der Bundesländer für Studierende aus Entwicklungsländern. Beide Posten erscheinen in der ODA-Statistik, verlassen Deutschland aber nie.

Welche Länder erhalten die meiste deutsche Entwicklungshilfe?

Die zehn größten Empfänger bilateraler Leistungen waren 2024 Indien, die Ukraine, Indonesien, Südafrika, Mexiko, Kolumbien, China, Marokko, Peru und Brasilien — zusammen 24 Prozent der bilateralen Brutto-ODA und ausnahmslos Länder mittleren Einkommens. Die am wenigsten entwickelten Länder erhielten 7,8 Prozent beziehungsweise 2,3 Milliarden US-Dollar, was 0,09 Prozent des Bruttonationaleinkommens entspricht — gegenüber einem DAC-Zielwert von 0,15 bis 0,20 Prozent.

Bekommt Deutschland Entwicklungshilfe-Mittel zurück?

Zu einem erheblichen Teil ja. Mit Indien werden rund 90 Prozent der Mittel als zinsvergünstigte Darlehen vergeben, die laut BMZ pünktlich mit Zinsen zurückgezahlt werden. Im Einzelplan 23 waren für 2025 Einnahmen von 730 Millionen Euro veranschlagt, davon 712 Millionen aus Tilgungen und Zinsen der bilateralen Finanziellen Zusammenarbeit. Der BMZ-Reformplan vom Januar 2026 sieht vor, dass die Zusammenarbeit mit aufstrebenden Volkswirtschaften künftig grundsätzlich über rückzahlbare Kredite läuft.

Warum wirkt eine Kürzung des Entwicklungsetats so wenig?

Weil der Etat weitgehend vorgebunden ist. 2024 waren 86 Prozent der Ausgabemittel vorab gebunden, 2025 waren es 85 Prozent, und für 2026 kann die Vorbindung bis zu 81 Prozent betragen. Die offenen Verpflichtungen stiegen von 22,7 Milliarden Euro Ende 2010 auf bis zu 38,8 Milliarden Euro zum Jahresende 2026. Eingegangene Zusagen laufen weiter, während der Jahresetat sinkt — die Kürzung trifft deshalb kaum die Posten, auf die sie politisch zielt.

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und stellt keine Rechts- oder Steuerberatung dar. Die Kennzahlen stammen von der OECD (Development Co-operation Profiles: Germany, ODA-Quote, Empfängerstruktur, LDC-Anteil), dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (ODA-Zusammensetzung, Einzelplan 23, Länderseiten Peru und Indien, Reformplan Januar 2026), dem Bundesrechnungshof (Berichte nach § 88 Abs. 2 BHO zu den Einzelplänen 23 und 09, Vorbindung, offene Verpflichtungen, Internationale Klimaschutzinitiative), der KfW Entwicklungsbank (Projektdatenbank), der GIZ (Projektsteckbriefe), KfW Research (Kommunalpanel 2026) und dem Statistischen Bundesamt (Grundsicherung im Alter, Pressemitteilung Nr. 104 vom 26. März 2026). Stand: August 2026, Änderungen der Datenlage vorbehalten.