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Arbeitsvertrag in Georgien: 30 Tage kündigen — oder drei

Schriftform erst ab einem Monat, zehn Pflichtangaben, sechs Monate Probezeit und eine Kündigungsfrist, die der Arbeitgeber gegen Geld verkürzen darf. Das georgische Arbeitsgesetzbuch im Wortlaut.

Wer in Georgien den ersten Mitarbeiter einstellt, bringt meist deutsche Erwartungen mit: Schriftform selbstverständlich, Probezeit sechs Monate, Kündigungsfrist nach Betriebszugehörigkeit. Zwei dieser drei Annahmen stimmen nicht — und die dritte stimmt aus einem anderen Grund als vermutet.

Schriftform erst ab einem Monat

Das georgische Arbeitsgesetzbuch lässt den Arbeitsvertrag ausdrücklich mündlich oder schriftlich zu, befristet oder unbefristet. Erst wenn das Arbeitsverhältnis länger als einen Monat dauert, ist die Schriftform zwingend.

In der Praxis ist das eine theoretische Freiheit. Sobald jemand länger als vier Wochen bleibt, greift die Pflicht ohnehin, und ein mündlicher Vertrag lässt sich im Streitfall nicht belegen — weder Vergütung noch Aufgabe noch Beendigungsmodalität. Die interessantere Regel steht daneben: Für die Probezeit gilt die Schriftform immer, unabhängig von der Dauer.

Bei mehrsprachigen Verträgen kommt eine Pflicht hinzu, die gern übersehen wird. Der Vertrag ist in einer Sprache zu schließen, die beide Seiten verstehen; mehrere Sprachfassungen sind zulässig. Dann aber muss der Vertrag bestimmen, welche Fassung im Widerspruchsfall vorgeht. Ein deutsch-georgischer Vertrag ohne diese Klausel ist unvollständig.

Die zehn Pflichtangaben

Das Gesetz zählt die wesentlichen Vertragsbestandteile abschließend auf. Fehlt einer, fehlt er — und im Streit trägt der Arbeitgeber die Folgen der Lücke:

  • Angaben zu den Vertragsparteien
  • Beginn und Dauer des Arbeitsverhältnisses
  • Arbeitszeit und Ruhezeiten
  • Arbeitsort — bei wechselnden Orten auch diese
  • Position sowie Art und Beschreibung der Tätigkeit
  • Vergütung samt Zulagen und Zahlungsweise
  • Verfahren zum Ausgleich von Überstunden
  • Dauer des bezahlten und unbezahlten Urlaubs und dessen Gewährung
  • Verfahren der Beendigung durch beide Seiten
  • Abweichende Regelungen aus einem Kollektivvertrag, soweit vorhanden

Eine Klausel, die dem Gesetz oder einem Kollektivvertrag widerspricht, ist nichtig — es sei denn, sie stellt den Arbeitnehmer besser. Diese Asymmetrie ist der Kern des Arbeitnehmerschutzes im georgischen Recht: Abweichen nach oben ist frei, Abweichen nach unten wirkungslos.

Probezeit: sechs Monate, einmal, schriftlich

Sechs Monate sind zulässig — aber an drei Bedingungen geknüpft. Die Probezeit darf mit derselben Person nur ein einziges Mal vereinbart werden, sie bedarf zwingend der Schriftform, und die Arbeit in dieser Zeit ist zu vergüten; Höhe und Zahlungsweise vereinbaren die Parteien.

Der praktisch wichtigste Satz steht am Ende der Vorschrift: Auf die Beendigung eines Probezeitvertrags findet das reguläre Kündigungsverfahren keine Anwendung, soweit der Vertrag nichts anderes bestimmt. Wer die Probezeit also nutzt, nutzt sie tatsächlich — mit der Folge, dass eine eigene Beendigungsregel im Vertrag dieses Privileg wieder einschränken kann, ohne dass es jemandem auffällt.

Befristung endet bei 30 Monaten

Befristen darf man nicht frei. Liegt die Vertragsdauer unter einem Jahr, ist eine Befristung nur zulässig, wenn ein im Gesetz genannter Grund vorliegt — ein bestimmter Arbeitsumfang, Saisonarbeit, ein vorübergehend erhöhtes Arbeitsvolumen, die Vertretung eines abwesenden Mitarbeiters, ein Lohnzuschuss nach dem Beschäftigungsförderungsgesetz oder ein anderer objektiver Grund.

Und es gibt eine harte Obergrenze: Überschreitet die Dauer 30 Monate, gilt der Vertrag als unbefristet. Dasselbe passiert, wenn zwei oder mehr aufeinanderfolgende befristete Verträge zusammen 30 Monate überschreiten. „Aufeinanderfolgend“ ist dabei weit definiert — es genügt, dass der nächste Vertrag innerhalb von 60 Tagen nach Ablauf des vorigen geschlossen wird. Die übliche Pause zwischen zwei Befristungen läuft ins Leere.

Kündigung: dreißig Tage oder drei

Hier liegt der Unterschied, der deutsche Arbeitgeber am meisten überrascht. Bei den vom Gesetz genannten Beendigungsgründen hat der Arbeitgeber eine echte Wahl:

Weg Lange Frist Kurze Frist
Ankündigung, schriftlich mindestens 30 Kalendertage mindestens 3 Kalendertage
Abfindung mindestens 1 Monatsvergütung mindestens 2 Monatsvergütungen
Typischer Anlass das Gesetz macht hier keine Vorgabe geplanter Personalabbau Trennung, die sofort wirken soll

Kündigt der Arbeitnehmer aus eigenem Antrieb, hat er seinerseits mindestens 30 Kalendertage vorher schriftlich zu informieren.

Dass das Ganze arbeitgeberfreundlich sei, stimmt bei den Fristen — beim Verfahren nicht. Der Arbeitnehmer kann binnen 30 Kalendertagen nach der Mitteilung eine schriftliche Begründung der Beendigungsgründe verlangen; der Arbeitgeber hat sie binnen sieben Kalendertagen zu liefern. Ab Erhalt der Begründung laufen weitere 30 Tage für eine Klage. Liefert der Arbeitgeber nicht, beginnt die Klagefrist trotzdem — nach Ablauf der sieben Tage. Eine Kündigung ohne dokumentierten Grund ist damit kein schnellerer Weg, sondern ein schlechter.

Was das für einen Vertragsentwurf heißt

Drei Punkte entscheiden in der Praxis mehr als alles andere: die Sprachklausel, die Beendigungsregel und die Frage, ob die Probezeit tatsächlich schriftlich vereinbart wurde. Alle drei kosten nichts, wenn man sie vorher bedenkt, und alle drei sind teuer, wenn nicht.

Wer Personal in Georgien beschäftigt, findet die aufenthalts- und erlaubnisrechtliche Seite in Arbeitserlaubnis Georgien 2026; wer wissen will, wer in Georgien überhaupt beraten darf, in Wer darf Sie in Georgien beraten.

Arbeitsvertrag Georgien — häufige Fragen

Muss ein Arbeitsvertrag in Georgien schriftlich sein?

Nur wenn das Arbeitsverhältnis länger als einen Monat dauert. Darunter genügt eine mündliche Vereinbarung. Für die Probezeit gilt die Schriftform dagegen immer, unabhängig von der Dauer.

In welcher Sprache wird der Vertrag geschlossen?

In einer Sprache, die beide Parteien verstehen. Mehrsprachige Verträge sind ausdrücklich zulässig — dann muss der Vertrag aber bestimmen, welche Fassung im Widerspruchsfall vorgeht. Fehlt diese Klausel, fehlt eine Pflichtangabe.

Wie lang darf die Probezeit sein?

Höchstens sechs Monate, und nur ein einziges Mal mit derselben Person. Die Arbeit während der Probezeit ist zu vergüten. Für die Beendigung eines Probezeitvertrags gilt das reguläre Kündigungsverfahren nicht, sofern der Vertrag nichts anderes bestimmt.

Kann ich unbegrenzt befristen?

Nein. Überschreitet die Dauer 30 Monate — auch durch mehrere aufeinanderfolgende Befristungen —, gilt der Vertrag als unbefristet. Als aufeinanderfolgend zählt auch ein neuer Vertrag, der innerhalb von 60 Tagen nach Ablauf des vorigen geschlossen wird.

Ist das Arbeitsrecht in Georgien arbeitgeberfreundlich?

Bei den Fristen ja, beim Verfahren nicht durchgehend. Der Arbeitnehmer kann binnen 30 Tagen eine schriftliche Begründung verlangen, die der Arbeitgeber binnen sieben Tagen liefern muss, und danach binnen 30 Tagen klagen. Vertragsklauseln, die schlechter sind als das Gesetz, sind nichtig.

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und stellt keine Rechts- oder Steuerberatung dar. Die zitierten Vorschriften stammen aus der georgischen Fassung des Arbeitsgesetzbuchs, Publikation 28 vom 17. September 2024; die englische Übersetzung auf matsne weist Änderungen nur bis 2020 aus und wurde nicht als Beleg verwendet. Kollektivverträge und Branchenregelungen können abweichen. Stand: August 2026.

Quellen

Jede rechtliche Aussage in diesem Beitrag ist unten mit ihrer Primärquelle belegt.

  1. Arbeitsgesetzbuch Georgiens (Organgesetz), Art. 12, 13, 14, 17, 47 und 48 — georgische Fassung, Publikation 28, Stand 17.09.2024