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Quellensteuer in Georgien: 5, 10 oder 15 Prozent — und wann null

Georgische Quellensteuer 2026 im Überblick: 5 % auf Dividenden, Zinsen und Lizenzen, 10 % auf Dienstleistungen, 15 % für Blacklist-Staaten — und die Ausnahmen, die zählen.

Zahlungsströme aus Georgien treffen auf Schleusen unterschiedlicher Höhe — eine davon steht offen

Georgien gilt als Niedrigsteuerland, und beim Blick auf die Quellensteuer bestätigt sich das: fünf Prozent auf Dividenden, Zinsen und Lizenzen sind international bemerkenswert wenig. Interessant ist trotzdem weniger die Höhe als die Zuordnung — welche Zahlung in welchen Satz fällt, wer abführt und wo der Satz auf null sinkt oder auf fünfzehn Prozent springt. Genau dort entstehen die Fehler, weil die abzugspflichtige Stelle die georgische Gesellschaft ist und nicht der ausländische Empfänger.

5 % Dividenden, Zinsen, Lizenzen der Regelsatz für Kapitalerträge
10 % Dienstleistungen in Georgien auch Transport, Kommunikation, sonstige Einkünfte
15 % Empfänger auf der Blacklist Zinsen, Lizenzen, sonstige Einkünfte

Die Sätze im Überblick

Die folgenden Sätze gelten für georgische Einkünfte nichtansässiger Empfänger ohne Betriebsstätte in Georgien:

Art der Zahlung Satz
Dividenden 5 %
Zinsen 5 %
Lizenzgebühren 5 %
Subunternehmer im Öl- und Gassektor 4 %
In Georgien erbrachte Dienstleistungen 10 %
Internationaler Transport und Kommunikation 10 %
Sonstige georgische Einkünfte 10 %
Versicherung und Rückversicherung 0 %
Zinsen, Lizenzen und sonstige Einkünfte an Blacklist-Empfänger 15 %

Zwei Dinge fallen an dieser Tabelle auf. Erstens: Kapital ist billiger als Arbeit. Wer Geld überlässt — als Gesellschafter, Darlehensgeber oder Lizenzgeber — zahlt fünf Prozent; wer eine Leistung erbringt, zahlt zehn. Zweitens: Der Auffangtatbestand „sonstige georgische Einkünfte“ liegt ebenfalls bei zehn Prozent. Was sich keiner der günstigen Kategorien zuordnen lässt, landet also im höheren Satz — die Qualifikation einer Zahlung ist keine Formalie.

Wer abführt — und wen es trifft

Die Quellensteuer wird vom Zahlenden in Georgien einbehalten und abgeführt. Für den ausländischen Empfänger ist sie damit in aller Regel abgeltend: Er erklärt in Georgien nichts, er bekommt schlicht weniger überwiesen.

Die praktische Konsequenz wird oft unterschätzt: Wenn Ihre georgische Gesellschaft eine Rechnung eines ausländischen Dienstleisters bezahlt, ist sie die abzugspflichtige Stelle. Unterbleibt der Abzug, ist es Ihre Gesellschaft, die nachzahlt — nicht der Empfänger, der längst sein volles Geld erhalten hat. Und weil der Empfänger vertraglich meist einen Nettobetrag erwartet, tragen Sie die Steuer am Ende doppelt: einmal als Abzug und einmal als Aufstockung.

Die Ausnahme, die die meisten Leser betrifft

Für Privatpersonen ist die wichtigste Regel eine Nicht-Regel: Zinsen aus Bankeinlagen sind vom Quellensteuerabzug ausgenommen. Zahlt eine lizenzierte georgische Finanzinstitution Zinsen an eine Privatperson, wird nichts einbehalten, und der Betrag zählt nicht zum steuerpflichtigen Bruttoeinkommen.

Das ist kein Schlupfloch, sondern eine bewusste Entscheidung des Gesetzgebers, Ersparnisse im inländischen Bankensystem zu halten. Die Fünf-Prozent-Regel für Zinsen zielt auf andere Konstellationen — Gesellschafterdarlehen, Privatdarlehen, konzerninterne Finanzierung. Was daraus für ein deutsches, österreichisches oder schweizerisches Steuerkonto folgt, rechnet Georgische Zinsen versteuern durch.

Dividenden: zwei Stufen, nicht eine

Bei Ausschüttungen einer georgischen Gesellschaft summieren sich zwei Ebenen, und wer nur die Quellensteuer betrachtet, unterschätzt die Belastung:

  • Thesaurierte Gewinne bleiben unbesteuert estnisches Modell — solange der Gewinn in der Gesellschaft bleibt, fällt keine Körperschaftsteuer an
  • 15 % Körperschaftsteuer bei Ausschüttung die Steuer wird durch die Ausschüttung ausgelöst, nicht durch die Gewinnentstehung
  • Zusätzlich 5 % Quellensteuer auf die Dividende an natürliche Personen und ausländische Unternehmen
  • Ausschüttung an eine ansässige georgische Gesellschaft wird abweichend behandelt — die Kaskade greift nicht in jeder Konstellation
  • International Company, Sonderzone, Investmentfonds eigene Befreiungen — hier lohnt die Einzelfallprüfung
  • Doppelbesteuerungsabkommen kann den Quellensteuersatz auf Dividenden bis auf null senken, teils an Beteiligungshöhe oder Investitionsvolumen geknüpft

Das estnische Modell ist der eigentliche Vorteil dieser Struktur, und er ist zeitlicher Natur: Solange reinvestiert wird, arbeitet der volle Gewinn weiter. Wer dagegen jeden Euro sofort entnimmt, verschenkt genau das — und landet bei einer Gesamtbelastung, die mit dem Bild vom „Ein-Prozent-Land“ nichts mehr zu tun hat. Der 1-Prozent-Satz gilt für Einzelunternehmer mit Kleinunternehmerstatus, nicht für Gesellschaften; die Abgrenzung steht in Die 1-%-Steuer in Georgien und die Strukturfrage in Virtual Zone oder International Company.

Die Blacklist

Zahlungen von Zinsen, Lizenzgebühren oder sonstigen georgischen Einkünften an Empfänger, die in einer vom georgischen Finanzministerium gelisteten Jurisdiktion mit begünstigter Besteuerung registriert sind, unterliegen 15 Prozent statt fünf oder zehn.

Das ist kein Randthema für exotische Konstruktionen. Wer eine Holding oder eine Lizenzgesellschaft in einer klassischen Offshore-Jurisdiktion führt und von dort aus mit einer georgischen Gesellschaft abrechnet, verdreifacht unter Umständen den Satz auf einen laufenden Zahlungsstrom. Die Liste ist behördlich gepflegt und änderbar — sie gehört vor dem Aufsetzen der Struktur geprüft und nicht nachdem die ersten Lizenzgebühren geflossen sind. Wie eine belastbare Beteiligungskette stattdessen aussieht, zeigt Holding- und Direktorenstruktur.

Häufige Fragen

Wie hoch ist die Quellensteuer in Georgien?

Sie hängt von der Art der Zahlung ab. Fünf Prozent gelten für Dividenden, Zinsen und Lizenzgebühren, zehn Prozent für in Georgien erbrachte Dienstleistungen, internationalen Transport und Kommunikation sowie sonstige georgische Einkünfte, vier Prozent für Subunternehmer im Öl- und Gasbereich, null Prozent für Versicherung und Rückversicherung. Zahlungen an Empfänger in Staaten der georgischen Blacklist unterliegen 15 Prozent.

Wer behält die Quellensteuer ein?

Der Zahlende in Georgien. Die Steuer wird an der Quelle abgezogen und abgeführt, nicht vom Empfänger erklärt — für den ausländischen Empfänger ist sie in der Regel abgeltend, sofern keine Betriebsstätte in Georgien besteht. Ihre georgische Gesellschaft ist damit selbst Steuerschuldner für die Abführung, und ein Versäumnis fällt auf sie zurück, nicht auf den Empfänger.

Fällt Quellensteuer auf Zinsen meines georgischen Bankkontos an?

Nein. Zinsen, die eine lizenzierte georgische Finanzinstitution an eine Privatperson zahlt, sind vom Quellensteuerabzug ausgenommen und zählen nicht zum steuerpflichtigen Bruttoeinkommen. Die Fünf-Prozent-Regel betrifft andere Zinszahlungen, etwa aus Gesellschafterdarlehen oder Darlehen zwischen Privaten.

Wie werden Dividenden aus einer georgischen Gesellschaft besteuert?

Zweistufig. Auf Ebene der Gesellschaft greift das estnische Modell: Gewinne bleiben unbesteuert, solange sie thesauriert werden, und lösen erst bei Ausschüttung 15 Prozent Körperschaftsteuer aus. Auf die Ausschüttung an eine natürliche Person oder ein ausländisches Unternehmen kommen zusätzlich fünf Prozent Quellensteuer. Ausschüttungen an eine ansässige georgische Gesellschaft werden abweichend behandelt, ebenso Zahlungen von International-Company- und Sonderzonen-Unternehmen sowie Investmentfonds.

Kann ein Doppelbesteuerungsabkommen die Quellensteuer senken?

Ja, das ist der häufigste Hebel. Georgien unterhält ein breites Abkommensnetz, und einzelne Abkommen reduzieren den Satz auf Dividenden oder Zinsen bis auf null — teils an Beteiligungshöhe oder Investitionsvolumen geknüpft. Maßgeblich ist immer der Wortlaut des konkreten Abkommens samt Ansässigkeitsbescheinigung; ein pauschaler Satz für „die EU" existiert nicht.

Was ist die georgische Blacklist?

Eine vom Finanzministerium geführte Liste von Jurisdiktionen mit begünstigter Besteuerung. Zahlungen von Zinsen, Lizenzgebühren oder sonstigen georgischen Einkünften an dort registrierte Empfänger unterliegen 15 statt 5 oder 10 Prozent. Wer eine Struktur über eine klassische Offshore-Jurisdiktion führt, sollte das vor der ersten Zahlung prüfen — der Aufschlag trifft laufende Zahlungsströme, nicht nur einmalige.

Betrifft mich die Quellensteuer beim 1-Prozent-Status?

Nicht in der Rolle als Einzelunternehmer mit Kleinunternehmerstatus, denn dort versteuern Sie Ihren Umsatz mit einem Prozent und schütten nichts aus. Relevant wird sie, sobald Sie als georgische Gesellschaft Zahlungen ins Ausland leisten — an Dienstleister, Lizenzgeber, Darlehensgeber oder Gesellschafter. Dann sind Sie die abzugspflichtige Stelle.

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und stellt keine Rechts- oder Steuerberatung dar. Die genannten Sätze gelten für georgische Einkünfte nichtansässiger Empfänger ohne Betriebsstätte in Georgien; Abkommensschutz, Sonderregime und die Behandlung ansässiger Empfänger weichen ab. Die Blacklist wird behördlich geführt und kann sich ändern. Lassen Sie Ihre konkreten Zahlungsströme vor der Umsetzung fachlich prüfen. Stand: August 2026, Änderungen der Rechtslage vorbehalten.