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In Dollar vereinbart, in Lari bezahlt: Georgiens Währungsregel

Preise dürfen in Georgien in Dollar vereinbart werden — gezahlt wird in Lari zum offiziellen Kurs. Was das für Immobilienkauf, Miete und Verträge bedeutet.

Ein in Dollar ausgezeichneter Betrag wird an einer Umrechnungsstelle in Lari überführt, der Kurs steht auf gestern

Wer in Tiflis eine Wohnung kauft, verhandelt fast immer über einen Dollarbetrag — und überweist am Ende Lari. Das ist kein Kuriosum des Marktes, sondern geltendes Recht: Der Lari ist im Inland das einzige gesetzliche Zahlungsmittel, während die Preisbestimmung im Vertrag durchaus in Fremdwährung erfolgen darf. Zwischen diesen beiden Sätzen liegt eine Umrechnung, und wer sie nicht regelt, überlässt sie dem Zufall des Stichtagskurses.

nur Lari gesetzliches Zahlungsmittel im Inland Ausnahmen: Freizonen, Duty-free, NBG-Fälle
200.000 GEL Grenze für Fremdwährungskredite auch für Ratenkauf und Leasing
Kurs von gestern gilt bei Zahlung nach offiziellem Kurs der NBG-Kurs wird erst am Folgetag wirksam

Die Regel in zwei Sätzen

Erstens: Auf dem Staatsgebiet Georgiens ist der Lari das einzige gesetzliche Zahlungsmittel. Ausgenommen sind freie Industriezonen, Duty-free-Bereiche und die von der Nationalbank bestimmten Fälle — dazu zählen insbesondere Export- und Importgeschäfte, Kapitaleinlagen und Kreditzahlungen.

Zweitens: Der Preis einer Ware oder Dienstleistung darf im Vertrag in Fremdwährung bestimmt werden. Nur die Zahlung selbst muss in Lari erfolgen.

Aus dieser Kombination entsteht die georgische Alltagspraxis: Immobilienpreise, gewerbliche Mieten, größere Dienstleistungsverträge und nicht selten auch Gehälter werden in Dollar verhandelt und in Lari beglichen.

Eine dritte Regel wird häufiger übersehen, weil sie den Anbieter trifft und nicht den Käufer: Wer in Georgien Waren oder Dienstleistungen anbietet oder bewirbt, muss den Preis in Lari ausweisen. Die Dollarzahl gehört in den Vertrag und in die Verhandlung — nicht auf das Preisschild und nicht in die Anzeige.

Wo der Kurs herkommt — und warum er von gestern ist

Fast alle Verträge verweisen für die Umrechnung auf den offiziellen Kurs der National Bank of Georgia. Dessen Zustandekommen hat eine Eigenschaft, die in der Vertragsgestaltung selten mitgedacht wird:

  1. Erfassung

    Die Nationalbank sammelt die registrierten Kassageschäfte am Interbankenmarkt im Zeitraum von 16:30 Uhr des vorangegangenen bis 16:30 Uhr des laufenden Geschäftstages.

  2. Berechnung

    Aus diesen Geschäften wird ein gewichteter Durchschnittskurs gegen den US-Dollar gebildet; Kurse gegen andere Währungen werden daraus und aus internationalen Notierungen abgeleitet.

  3. Veröffentlichung

    Der Kurs wird bis 17:00 Uhr desselben Tages bekannt gegeben.

  4. Gültigkeit

    Wirksam wird er erst am folgenden Geschäftstag. Wer heute zum offiziellen Kurs zahlt, rechnet mit dem Marktgeschehen von gestern.

In ruhigen Wochen ist dieser Versatz ein Rundungsfehler. In bewegten Wochen ist er es nicht: Anfang Dezember 2024 verlor der Lari binnen weniger Tage prozentual so viel, dass ein Tag Verzögerung bei einem Kaufpreis von 150.000 Dollar einen vierstelligen Betrag ausmachte. Wie diese Phase verlief, steht in Der Lari 2023 bis 2026.

Die 200.000-Lari-Schwelle

Die Larisierungspolitik der Nationalbank zieht eine harte Grenze bei 200.000 Lari. Unterhalb dieser Schwelle gilt:

  • Kredite müssen in Lari ausgezahlt werden sofern die Gesamtverbindlichkeit des Kreditnehmers gegenüber dem Kreditgeber 200.000 GEL nicht übersteigt
  • Ratenkauf von Immobilien darf nicht an eine Fremdwährung indexiert werden bei einer Gesamtverbindlichkeit des Käufers bis 200.000 GEL
  • Finanzierungsleasing darf nicht an eine Fremdwährung indexiert werden es sei denn, die Gesamtverbindlichkeit des Leasingnehmers übersteigt die Grenze
  • Oberhalb der Schwelle sind Fremdwährungsverträge zulässig die Zahlung selbst bleibt gleichwohl in Lari zu leisten
  • Bei Umrechnung gilt der offizielle NBG-Kurs zum Transaktionstag für die Umrechnung des Fremdwährungsbetrags in Lari bei Kreditauszahlung

Der Zweck ist erkennbar: Private Haushalte sollen nicht in Fremdwährung verschuldet werden, weil eine Abwertung dann Einkommen in Lari und Schulden in Dollar auseinandertreibt — genau die Konstellation, die 2015 zur Krise georgischer Hypothekenschuldner führte. Für Sie als Käufer oder Investor bedeutet die Schwelle vor allem: Prüfen Sie bei jeder Ratenzahlungsabrede, auf welcher Seite der Grenze Sie liegen.

Die Bußgelder sind niedrig genug, dass sie in der Praxis wenig abschrecken — 200 Lari für natürliche, 400 Lari für juristische Personen im Grundtatbestand, 1.000 beziehungsweise 5.000 Lari bei wiederholten Verstößen gegen die Preisauszeichnung. Das eigentliche Risiko ist nicht die Buße, sondern die Unwirksamkeit oder Anpassung einer Klausel im Streitfall.

Was das praktisch heißt

Beim Immobilienkauf. Der Preis steht in Dollar, der Notartermin fixiert ihn, die Überweisung erfolgt in Lari. Zwischen Vertragsunterzeichnung und Zahlung liegen oft Tage. Vereinbaren Sie den Stichtagskurs schriftlich, und rechnen Sie den Betrag am Zahlungstag selbst nach — nicht die Gegenseite.

Bei der Miete. Wohnungsmieten in Tiflis werden häufig in Dollar verhandelt und monatlich in Lari gezahlt. Ihr Mietaufwand in Lari schwankt damit von Monat zu Monat. Wer in Lari verdient, sollte auf eine Lari-Miete drängen; wer in Euro oder Dollar verdient, fährt mit der Fremdwährungsbemessung besser.

Beim Gehalt. Dieselbe Logik, umgekehrtes Vorzeichen. Ein in Dollar bemessenes Gehalt schützt den Arbeitnehmer gegen Abwertung und belastet den Arbeitgeber, der in Lari einnimmt. Wer Personal in Georgien einstellt, sollte sich diese Entscheidung bewusst treffen — mehr dazu in Arbeitskräfte aus Georgien.

Beim Firmenkonto. Hier zeigt sich der praktische Wert eines Multiwährungskontos: Wer Einnahmen in Dollar erzielt und Verpflichtungen in Dollar bemisst, hält beides in derselben Währung und tauscht nur, was er tatsächlich in Lari ausgeben muss. Die Kontoeröffnung selbst beschreibt Bankkonto in Georgien eröffnen.

Und die strukturelle Erklärung, warum dieser Markt überhaupt in Dollar denkt: Rund 53 Prozent aller Bankeinlagen im Land werden in Fremdwährung gehalten, bei Privatpersonen über 60 Prozent. Der Dollar ist in Georgien nicht das Zahlungsmittel, aber er ist die Recheneinheit — und das gesetzliche Verbot der Dollarzahlung ändert daran nichts. Es verschiebt lediglich das Wechselkursrisiko an den Punkt der Zahlung.

Häufige Fragen

Darf man in Georgien in Dollar oder Euro bezahlen?

Im Inland grundsätzlich nicht. Der Lari ist auf georgischem Staatsgebiet das einzige gesetzliche Zahlungsmittel; Ausnahmen bestehen für freie Industriezonen, Duty-free-Bereiche und die von der Nationalbank festgelegten Fälle wie Export- und Importgeschäfte, Kapitaleinlagen oder Kreditzahlungen. Der Preis darf im Vertrag in Fremdwährung bestimmt werden — die Zahlung selbst erfolgt in Lari.

Warum werden Immobilien dann in Dollar ausgeschrieben?

Weil die Preisbestimmung im Vertrag in Fremdwährung zulässig ist und der Markt sich historisch am Dollar orientiert. Beworben werden darf allerdings nur in Lari: Wer in Georgien Waren oder Dienstleistungen anbietet oder bewirbt, muss den Preis in Lari ausweisen. Die Dollarangabe ist eine Vertrags- und Verhandlungsgröße, keine zulässige Auszeichnung im Schaufenster.

Welcher Wechselkurs gilt bei der Zahlung?

Vertraglich der vereinbarte — praktisch fast immer der offizielle Kurs der National Bank of Georgia. Dieser wird als gewichteter Durchschnitt der Interbankengeschäfte zwischen 16:30 Uhr des Vortages und 16:30 Uhr des laufenden Tages berechnet, bis 17:00 Uhr veröffentlicht und ist am Folgetag gültig. Sie zahlen also faktisch zum Kurs des Vortages.

Gibt es eine Betragsgrenze für Fremdwährungskredite?

Ja, 200.000 Lari. Kredite bis zu dieser Höhe müssen in Lari ausgezahlt werden, sofern die Gesamtverbindlichkeit des Kreditnehmers gegenüber dem Kreditgeber die Grenze nicht übersteigt. Entsprechendes gilt für Ratenkäufe von Immobilien und für Finanzierungsleasing — eine Indexierung an eine Fremdwährung ist unterhalb der Grenze unzulässig.

Was passiert bei einem Verstoß?

Es drohen Geldbußen. Der Grundtatbestand liegt bei 200 Lari für natürliche und 400 Lari für juristische Personen. Verstöße gegen die Preisauszeichnung werden zunächst verwarnt, im Wiederholungsfall mit 1.000 und danach mit 5.000 Lari geahndet. Verstöße bei Krediten, Ratenkäufen und Leasing führen zu einer Verwarnung und, wenn nicht binnen 30 Tagen abgestellt, zu 1.000 Lari mit Wiederholungsfolge.

Wie schütze ich mich als Käufer gegen Kursschwankungen?

Über eine ausdrückliche Kursklausel. Legen Sie fest, welcher Kurs gilt (offizieller Kurs der Nationalbank), auf welchen Stichtag er sich bezieht (Tag des Zahlungseingangs oder ein fixierter Tag) und wer eine Abweichung über eine bestimmte Bandbreite hinaus trägt. Ohne solche Regelung trägt in der Praxis derjenige das Risiko, der zahlt.

Betrifft das auch Gehälter und Mieten?

Ja. Auch Arbeitsverträge und Mietverträge können in Fremdwährung bemessen sein, ausgezahlt beziehungsweise gezahlt wird jedoch in Lari. Für Arbeitnehmer bedeutet das ein monatlich schwankendes Nettoeinkommen in Lari, für Vermieter eine schwankende Einnahme — beides ist Verhandlungsmasse und gehört in den Vertrag.

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und stellt keine Rechts- oder Steuerberatung dar. Die dargestellten Währungs- und Larisierungsregeln sind eine Zusammenfassung der Grundsätze; Ausnahmetatbestände der National Bank of Georgia, Schwellenwerte und Bußgeldrahmen können sich ändern. Lassen Sie Verträge mit Fremdwährungsbezug vor Abschluss fachlich prüfen. Stand: August 2026, Änderungen der Rechtslage vorbehalten.