Ein hoher Preis ist kein Problem. Ein hoher Preis bei mittelmäßiger Leistung ist eines. Deutschland liegt bei der Abgabenlast auf Arbeit auf Rang zwei von 38 OECD-Staaten und im EU-Digitalindex auf Platz 17 von 27 — bei der Digitalisierung der Verwaltung sogar auf Platz 22. Dieser Beitrag stellt beide Zahlenreihen nebeneinander, ohne Adjektive. Sie funktionieren besser ohne.
Was der Standort kostet
Die belastbarste Vergleichsgröße für die Belastung von Arbeit ist der Steuer- und Abgabenkeil der OECD: der Anteil von Lohnsteuer und Sozialbeiträgen an den gesamten Arbeitskosten eines kinderlosen Durchschnittsverdieners.
Nach der im April 2026 veröffentlichten OECD-Erhebung für 2025 führt Belgien mit 52,5 Prozent, Deutschland folgt mit 49,3 Prozent auf Rang zwei, vor Frankreich mit 47,2 und Österreich mit 47,1 Prozent. Der Durchschnitt aller 38 OECD-Staaten liegt bei 35,1 Prozent.
Von jedem Euro Arbeitskosten kommen in Deutschland also gut 50 Cent beim Beschäftigten an. Das ist die eine Hälfte der Rechnung.
Was dafür geliefert wird
Die andere Hälfte steht im EU-Digitalindex. Die Auswertung für 2026 sieht Deutschland bei 51,1 von 100 Punkten auf Platz 17 von 27 Mitgliedstaaten — drei Plätze schlechter als im Vorjahr, als es noch für Rang 14 reichte. An der Spitze steht Dänemark mit 76,4 Punkten, gefolgt von Finnland, den Niederlanden, Malta und Luxemburg.
| Deutschland | Vergleichswert | |
|---|---|---|
| Rang im EU-Digitalindex 2026 Gesamtwertung über alle Dimensionen | 17 von 27 | Dänemark auf Platz 1 |
| Gesamtpunktzahl Abstand von gut 25 Punkten zur Spitze | 51,1 von 100 | Dänemark 76,4 von 100 |
| Rang im Vorjahr die Richtung ist abwärts, nicht aufwärts | 14 von 27 | Verschlechterung um drei Plätze |
| Digitalisierung der Verwaltung die schwächste Einzeldimension | Platz 22 von 27 | — |
| Glasfaseranschluss bis ins Gebäude vorletzter Platz in der Union | 43,98 % der Haushalte | EU-Schnitt 74,13 % |
Der aussagekräftigste Einzelwert ist nicht der Gesamtrang, sondern die Verwaltungsdigitalisierung auf Platz 22. Denn das ist genau die Dimension, die ein Unternehmen täglich berührt — Genehmigungen, Meldungen, Nachweise, Anträge.
Wie weit der Rückstand reicht, zeigt eine einzelne Zahl: Anfang 2026 waren von 7.509 Einzelleistungen der Verwaltung erst 823 bundesweit flächendeckend digital verfügbar. Das ist gut ein Neuntel. Bei der bisherigen Umsetzungsgeschwindigkeit ergibt sich daraus eine Restlaufzeit von über 19 Jahren bis zur vollständigen Digitalisierung.
Ein Unternehmen, das heute gegründet wird, wäre bei Fertigstellung fast zwei Jahrzehnte alt.
Was auf der anderen Seite steht
Georgien ist bei der Sozialleistungsdichte kein Vergleichsmaßstab — es ist einer bei der Verwaltungsgeschwindigkeit, und dort ist der Unterschied nicht graduell.
| Deutschland | Georgien | |
|---|---|---|
| Registrierung einer Kapitalgesellschaft in Georgien Express-Variante an einem Werktag möglich | Mehrstufig über Notar und Registergericht | 1–3 Werktage im Public Service Hall |
| Anwesenheitspflicht bei der Gründung Video-Termin statt Präsenztermin | Notartermin erforderlich | Ferngründung per Vollmacht möglich |
| Steuersatz Kleinunternehmer Small Business Status, Art. 90 Abs. 1 GTC | Regelbesteuerung | 1 % auf Umsatz bis 500.000 GEL |
| Einkommensteuer Art. 81 Abs. 1 GTC | Progressiv | 20 % flat |
| Ausländische Kapitaleinkünfte für Privatpersonen Territorialprinzip, Art. 82 GTC | Steuerpflichtig | 0 % |
Die Differenz ist keine Frage der Ideologie, sondern der Bauart. Georgien hat seine Verwaltung in den vergangenen zwanzig Jahren neu aufgebaut, statt eine gewachsene zu digitalisieren. Das ist ein Startvorteil, den Deutschland nicht nachholen kann — aber er ist real, und er wirkt sich täglich aus.
Was daraus folgt
Die Frage ist nicht, ob 49,3 Prozent zu viel sind. Über einen Preis lässt sich streiten. Die Frage ist, ob das Verhältnis stimmt — und ob es sich in die richtige Richtung bewegt.
Beim Digitalindex bewegt es sich seit einem Jahr nachweislich in die andere: von Platz 14 auf Platz 17. Bei der Abgabenlast ist keine Entlastung beschlossen. Das ist die Ausgangslage für jede Standortentscheidung, und sie ist unabhängig von politischer Präferenz nachlesbar.
Was das für die Gesamtbilanz bedeutet, steht in Staatsquote 50,3 % und Bürokratie: 96.876 Einzelnormen; die österreichische Rechnung führt Bürokratie Österreich getrennt, weil sie anders aussieht.
Häufige Fragen
Woher stammt die Zahl von 49,3 Prozent?
Aus der OECD-Erhebung Taxing Wages für das Jahr 2025, veröffentlicht im April 2026. Gemessen wird der Steuer- und Abgabenkeil: der Anteil von Lohnsteuer und Sozialbeiträgen an den gesamten Arbeitskosten eines kinderlosen Durchschnittsverdieners. Belgien führt mit 52,5 Prozent, Deutschland folgt mit 49,3, dann Frankreich mit 47,2 und Österreich mit 47,1. Der OECD-Schnitt liegt bei 35,1 Prozent.
Wie schlecht steht Deutschland bei der Digitalisierung wirklich da?
Im EU-Digitalindex 2026 erreicht Deutschland 51,1 von 100 Punkten und damit Platz 17 von 27 Mitgliedstaaten — drei Plätze schlechter als im Vorjahr. Die schwächste Einzeldimension ist die Digitalisierung der Verwaltung mit Platz 22. Beim Glasfaseranschluss bis ins Gebäude liegt der Wert bei 43,98 Prozent der Haushalte gegenüber einem EU-Schnitt von 74,13 Prozent, was dem vorletzten Platz entspricht.
Was bedeuten 823 von 7.509 Leistungen?
Anfang 2026 waren von 7.509 digitalisierbaren Einzelleistungen der Verwaltung erst 823 bundesweit flächendeckend verfügbar, also gut ein Neuntel. Rechnet man die bisherige Umsetzungsgeschwindigkeit fort, ergibt sich eine Restlaufzeit von über 19 Jahren bis zur vollständigen Digitalisierung der deutschen Verwaltung.
Ist der Vergleich mit Dänemark nicht unfair?
Er hat eine erkennbare Grenze, ja. Dänemark hat knapp sechs Millionen Einwohner und eine zentrale Verwaltungsstruktur; der deutsche Föderalismus ist ein realer Faktor, kein Vorwand. Unter den fünf bevölkerungsreichsten EU-Staaten liegt Deutschland auf Rang zwei hinter Spanien. Das relativiert den Gesamtrang — es ändert aber nichts am Missverhältnis zwischen Platz 2 beim Preis und Platz 22 bei der Verwaltungsleistung.
Warum ist Georgien bei der Verwaltung schneller?
Weil dort in den vergangenen zwanzig Jahren eine Verwaltung neu aufgebaut wurde, statt eine gewachsene zu digitalisieren. Praktisch heißt das: Registrierung einer Kapitalgesellschaft im Public Service Hall in ein bis drei Werktagen, Express-Variante an einem Werktag, Gründung aus der Ferne per Vollmacht ohne Präsenztermin. Das ist ein Startvorteil, kein Verdienst des Steuersystems.
Was bekomme ich in Georgien nicht?
Den Leistungsumfang eines mitteleuropäischen Sozialversicherungssystems. Die deutsche Abgabenquote finanziert Kranken-, Renten-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung in einer Tiefe, die es dort nicht gibt. Wer wechselt, muss private Kranken- und Altersvorsorge einplanen — das gehört in jede ehrliche Rechnung und wird in der einschlägigen Werbung regelmäßig weggelassen.
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und stellt keine Rechts- oder Steuerberatung dar. Die Abgabendaten stammen aus der OECD-Erhebung Taxing Wages für 2025 (veröffentlicht April 2026), die Digitalisierungsdaten aus dem EU-Digitalindex 2026; die georgischen Steuersätze folgen dem konsolidierten georgischen Steuergesetzbuch (Art. 81, 82 und 90). Stand: Juli 2026, Änderungen der Rechtslage vorbehalten.